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beurtheilt, und Wirkungen, die er weder beabsichtigte noch veranlasste, vonihm gerühmt oder ihm zur Last gelegt.
Diese Urtheile zu berichtigen und die ganze Erscheinung des Mannesaus dem vollen Lichte seiner Zeit und seiner Persönlichkeit begreiflich zumachen, ist der Zweck dieser Untersuchung. Die Aufgabe, welche ich mirzunächst gestellt, geht dahin, nachzuweisen, dass er an dem Missbraucheund der Missdeutung seines Namens unschuldig gewesen; dass viele ihmzugeschriebene Werke nicht von ihm verfasst seyn können; dass der ihmgemachte Vorwurf mystischer und alchymischer Verirrungen unbegründet sey,und dass/, wenn auch das Lob, welches ihm von Manchen leichthin ge-zollt wird, übertrieben ist, er noch weniger den Tadel oder Spott verdiene,welchen der Unverstand verschwenderisch über ihn ausgiesst. Er war einervon den Menschen, welche, mit ungewöhnlicher Tüchtigkeit und Kraft be-gabt, in eine gährende Zeit geworfen, zu Repräsentanten von Parteien ge-wählt werden, und die mit ihrem Wissen wie mit ihrem Charakter zumKampfplatze der Meinungen dienen müssen. Die Aufgabe der Geschichtebleibt es aber, Gerechtigkeit zu üben, den Einfluss der Leidenschaften beiihrem Richteramte über Personen und Handlungen fern zu halten und einzigder Wahrheit zu dienen.
Der Name eines Mannes ist an sich eine gleichgültige Sache. Zwarverknüpfen wir mit den Lauten die Idee von den Eigenschaften, Vorzügenoder Mängeln dessen, der den Namen trägt; aber nicht leicht erwecken dieZeichen oder Worte unmittelbar fiir sichl eine Gesammtvorstellung. Andersist es in unserm Falle. Viele wähnen zur Charakteristik des Mannes keinerweitern Auseinandersetzung zu bedürfen, als dass sie bemerken, er heisse:Philippus Aui'eolus Theophrastus Paracelsus Bonibastus ab Hohenheim , gleich-sam als offenbare sich hierin die ganze marktschreierische Eitelkeit dessen*der sich so genannt hätte. Allein dagegen ist zu erinnern, dass er sich selbstnie so geschrieben; dass er von den Autoren, welche mit ihm oder bald nachihm lebten, nie so aufgeführt wird;-und dass Neid, Hass, Verläumdung, Hohnallniälig erst in dieser Zusammenstellung sich gefielen.
*■ Eines der frühesten Zeugnisse, die wir besitzen, ist ein Lateinischer Briefan seinen Freund Dr. Christoph Clauser, Arzt in Zürich , den er von Basel