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Zur Würdigung des Theophrastus von Hohenheim / von Karl Friedrich Heinrich Marx
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Die Schreibart Ths zeigte das eigentümliche Gepräge, welches wahr-scheinlich den ganzen Menschen charakterisirte. Da er sich ohne viele Um-stände aussprach, die Dinge mit ihren eigentlichen Namen nannte, die wun-den Flecken seiner Mitwelt nicht schonte und seine ungewöhnlichen Gedan-ken und Ansichten auf eine nicht jedem gleich verständliche Weise vortrug,so wurde sein Stil bald herb und schneidend, bald unförmlich und schwer-fällig. Daher kam es, dass diejenigen, welche einen verfeinerten Geschmackbesassen, oder durch seine Angriffe sich getroffen fühlten, auf das heftigstedarüber urtheilten. Wer nur irgend Sinn für Urbanität habe, könne, sosagte man, die unverhüllt zur Schau gestellten gemeinen Sätze nicht ansehen;eine unerhörte Redensart überbiete die andere 74 ); Anmassung und Grobheitgingen Hand in Hand 75 ). Die Folge davon war, dass man jeden rohenund mit seltsamen Ausdrücken angefüllten Stil für Paracelsisch oder Bomba-stisch und in diesem Sinne verfasste Schriften ohne weiteres als von ihmausgegangen erklärte.

Hiergegen lässt sich erwidern, dass in den ächten Schriften alle jeneAuswüchse und Ausschweifungen der ungezügelten Feder weit seltener Vor-kommen und durch würdige, fassliche, gedankenreiche Stellen mehr als auf-gewogen werden. Sodann darf die Zeit, in der diese Bücher geschriebenwurden, nicht ausser Acht gelassen werden. Die Ohren waren für ein star-kes Wort nicht so empfindlich wie jetzt; selbst die Gebildetsten nahmen an

unter diesem Titel hatte schon Heinrich Cornelius Agrippa vou Nettesheim, aufdie Ermunterung des Abts Tritheim , den er in Würzburg 1510 besucht hatte,in 3 Büchern eine Vertlieidigung der Magie geschrieben.

Die Schrift Labyrinth gehört zu den ächten des Th., jedoch unter dieser Be-zeichnung hatte Zwingli noch während der Kriegszeiten ein allegorisches Gedichtverfasst, worin der Tapfere (Theseus ), das Laster (Minotaurus ) und der Fadender Vernunft (Ariadne ) besprochen werden.

74) Z. B. Paragrani alt. Tr. 1. Th. I. 116. Tr. 2. 136. Paramir. L. III. De or.morb. ex Tart. Tr. 5. Th. I. 182. Tr. 2. 152. Vorrede über das Buch Para-granum. Th. II. 11.

75) Ich sage euch, mein Gauchhaar im Gnick weiss mehr dann jhr und all ewereScribenten: Und meine Schuchrincken seindt gelehrter, dann ewer Galenus undAvicenna (Vorrede über das Buch Paragranum. Th. II. 18. M. vgl. 103.).

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