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ein anderer ärztlicher Autor, zumal seines Jahrhunderts, vorzuziehen seyn;fast über alle Gebiete der Medicin hat er sich eben so treffend als eigen-thümlich geäussert. Wenn nun überhaupt Jemand nur nach dem Massstabezu schätzen ist, den er für sich selbst bestimmt, so muss Th. mehr nach demInhalte als nach dem Stile seiner Schriften beurtheilt werden, denn er be-merkt, dass er nicht der Spi'ache, sondern des Thatsächlichen seiner Kunstwegen die Feder geführt habe 93 ).
Wenn sich die Vorwürfe, welche gegen den Stil und die äussere Formder Schriften unsers Theophrastus erhoben werden, wenn auch nicht ganzbeseitigen, doch mässigen und sehr beischränken lassen, so scheint dieses kaumbei dem Inhalte derselben möglich zu seyn. Denn seine Bücher werden jadurchgängig als die Fundgrube alchemischer oder theosophischer Träume-reien, und somit er selbst als Piepräsentant des Aberglaubens, der Schwärme-rei, des Siderismus, der spagirischen Medicin, der Magie, Zauberei und My-stik angesehen und als solcher von den Gegnern angefeindet und verspottet,oder von den Anhängern gepriesen und bewundert.
Annahmen und Aussagen, die sich von Geschlecht zu Geschlecht fort-erben und schon die Bestätigung einer langen Zeitdauer für sich haben, schei-nen zu sehr begründet zu seyn, als dass man mit Fug und Recht daranzweifeln, mit Erfolg daran rütteln dürfte. Und doch lässt sich zeigen, dassman dem Andenken Th’s vielfach Unrecht gethan und noch tliut; dass man,was böser Wille oder Unverstand auf seine Rechnung gesetzt, ohne weitereUntersuchung und ohne auf die eigentlichen Quellen seiner Lehr- und Denk-weise zurückzugehen, noch fortwährend ihm zur Last legt.
Die Periode des 16. Jahrhunderts war eine solche, wo das Licht derGeister sich nur allmälig aus dumpfer Verfinsterung loswand, wo der Glaubeo. an Hexen und Dämonen noch von den Satzungen der Kirche geboten undvon den Entscheidungen der Gerichtshöfe bestärkt ward. Wenn damals einArzt, festgehalten in solchen engen und verwirrten Vorstellungen, einen Tri-gen werden in ein andere Haut schlieffen, so die Alten abgehen werden.” M.vgl.: Th. I. 239. Spittal Buch Tr. 2. S. 319. Bertheoneä B. 2. Einleit. S. 358. 370.
93) “Ich schreibe nicht von der Sprach wegen, sondern von wegen der Kunst mei-ner Erfahrenheit” (Beschlussrede des 1. B. der grossen Wundarzn. S. 56.).