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Der Sclivveiss des Menschen sey gesalzen; er dringe aus dem Blute, wel-ches Salz enthalte. Wie könnte auch ein Mineral ein Saft seyn 481)?
Eine jede Krankheit entspringe für sich selbst aus ihrem Keime 482 ).
Es gehörten Luchs - Augen dazu, um zu sagen, von welchen Krankhei-ten das Blut die Schuld trage. Allein wisse man denn, was das Blut ist 483)?
Die Krankheit sey etwas durchaus Selbstständiges. Das Temperamentwürde mehr durch das Leben gegeben, und ihr Einfluss komme wenig inBetracht. Die Krankheit liege da wie ein Schwerd, das da schneide, ohnealle Complexion 484).
Die Untersuchung von der Ansteckung interessirte Th. ganz vorzüglich,theils weil dieser Vorgang zu den dunkelsten der Pathogenie gehört, theilsweil die damals für neu geltende, gewaltig wüthende Lustseuche um so mehrzu einer wissenschaftlichen Ansicht aufforderte, als die Unklarheit der Aerzteüber die Natur dieser Krankheit fast so viel Unheil anstiftete als das Uebel selbst.
Drei Krankheiten waren es hauptsächlich, die. sein Nachdenken in An-spruch nahmen, nämlich die Hundswuth, wobei blos ein fixes Contagium inFrage kommt; die Pest, wovon geglaubt wurde, dass die den Befallenenzunächst umgebende Luft den Krankheitsstoff in sich aufzunehmen vermöge,und die Lustseuche, wo man ungewiss war, ob dem Ausbruch der Krankheitjedesmal eine Ansteckung vorangegangen seyn müsse.
In Betreff der Mittheilungsweise des W r uthgifles versucht Th. folgendeErklärung: Wenn der Hund heisst, so hefte er seine ganze Natur und Atten-tion auf die Stelle, und ebenso der Mensch, der dadurch in sich erzittere.Die Fantasey beider füge sich in einer Schnelle zusammen, so dass des Men-schen Speculation von des Hundes Imagination vergiftet würde, gleichsam wie
481) ebend. Cap. 9. S. 68.
482) Von offnen Schäden B. 4. S. 386.
483) Paragrani Erster Tr. Th. II. 27. Wer macht euch solche Lüchsische äugen, dassihr so eben wissen, das Blut schuld ist? dieweil jhr doch nicht wissen, wasBlut ist? so mancherley Frücht von den Beumen aussgehen, so mancherleyaegritudines des Blutes.
484) Paramir. L. 1. De or morb. c. 4. Tb. I. S. 82. cf. 111.