Heimweh. 147
und, wenn es einmal überhand genommen, daß es sich durch keine vernünftige Vor,stellungen heben laßt.
Thurneisser hatte sich alle Mühe gegeben, seine Drukkerek in vortreflkchettStand zu setzen. Die Zal der dazu erforderlichen Personen und der auswärtigverschriebenen Künstler vermehrte sich so stark, daß der Setzer Martin Henzke inder Klosterstraße zwei Häuser kaufte und mit Weib und Kind, wie auch mit eknk,gen Gesellen und Künstlern, dahin zog, weil es im Kloster an Raum fehlte- Thür-missers Hauswesen besorgte seine zweite Frau, nebst der Wirtschaft und Bekösti-gung der Leute, zu feiner und eines jeden völligen Zufriedenheit. UngleicherWeise tzerlor er diese Frau 15/; im Herbste: und ihr Verlust wurde desto empfind-licher, wie er nach ihrem Tode seinem lüderlichen Bruder Alexander Thurneiffemdie ganze Wirtschaft übertrug; die ihm selbst zu führen, wegen seiner öftern Abwe-senheit mit dem Hofe, und wegen der Menge von Menschen, die er beständig umsich hatte, zu schwer wurde.
Wir wollen dieses Alexanders, in so weit er Hier zur Geschichte gehört, etwasausführlicher gedenke», der uns schon aus S. ;6. und S. 59. bekant geworden.Wer ihn näher kennen wil, kan ihn, im zweiten Teil von Thurneiffers Ausschreiben,als einen Abschaum von verachtungswirdigenMenschen abgemalt finden. Er warlüderlich, falsch, heimtükkifch, unbeständig, und hatte inBaftl Frau und Kinder,aber auch so viel Schulden, daß er, seinen Gläubigern zu entgehen, sich ungefährim Frühjahr 1574 nach Berlin zu Thurneissern in armseliger Gestalt begab; derihn aufnahm und kleiden ließ. Wie er sich dem Anschein nach guc und bescheidenaufführte und demüthig bat: so versprach er, ihr» etwas Geld zu geben, um seinedringendste Schulden zu bezalen. So bald er die Versicherung hatte, sanN er Tagund Nacht darauf, daß er zu den Seimgen nach Basel kommen und das Geldselbst hinbringen möchte. So sehr er, bei seiner Ankunft zu Berlin, gegen Thur-neissern auf die Regierung oder den Rath zu Basel geschmähet hatte: so wußte ernun, als ein abgefeimter Advokat, die Sprache zu ändern. Er strich die Glükse-ligkeit eines Baseler, Bürgers mit hellen Farbey heraus, und versicherte: daßThurneisser sehr leicht das Verlorne Bürgerrecht wieder erlangen würde, wenn ersich mit den Juden zu Wssl, wegen des Betrugs und gegen ihn angesielten Pro-
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