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Beiträge zur Geschichte der Wissenschaften in der Mark Brandenburg von den ältesten Zeiten an bis zu Ende des sechszehnten Jahrhunderts ... / herausgegeben von J. C. W. Moehsen
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207
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der Chirurgie rc. 2.V7

Deutschland nicht in und nach dem dreißigjährigen Kriege so viele Zerrüttungenerlitten, welche die Wissenschaften abhielten; und wenn die Furcht vor Ge-spenstern nicht so viele Bedenklichkekten gegen die Anatomie erregt Hätte: so würdeuns gewiß keine Nazion in der Medizin und Chirurgie irgend einen Vorzug abge-wonnen haben.

In der Geschichte der Wissenschaften ist §.XXV. S.087 u. f. angeführt wor-den, daß dieZal der Wundärzte bei den Armeen ehemals sehr geringe gewesen, weiles daran fehlte, und daß die sonderbare Verbindung dieser Wissenschaft mit denBmbkrern und Badern, deren Aufnahme und Verbesserung sehr verhindert hat:indessen gab eben diese Verbindung Gelegenheit, daß die Zal der Wundärzte sichin Teutschland im sechzehnten Jahrhundert sehr vermehrte, als einige Fürsten, sogar durch LandesgeseHe, die langen Bärte abschaften. Skgksmund, Erzbkschof zuMagdeburg?) und Bischof zu Halberstadt, ein Sohn des Churfürsten Joachims II.machte sich ein eigenes Mißkonsgeschäfte daraus, so wol in seinen Bistümern, alsauch überall, wo er zum Besuch hinkam, die langen Bärte abscheeren zu lassen:und führte die Mode, ohne Bart zu gehen, mit vielem Eifer ein. Er muste aberdie Prediger bei der alten Gewohnheit lassen, weil sie die langen Bärte in Schuznahmen, und kein Haar von ihrem Haupte missen wolten. Wie er im Jahr 1564im Februar nach Mansfeld kam, und von den Grafen, als Landesfürst, Herlich em-pfangen und bewirtet wurde: so überredete er bei der Tafel die anwesenden Grafen,daß sie und alles ihr Hofgesinde, vornehme und geringe, sich die langen Bärte, bisauf die Knebelbärte, abnehmen liessen. Von da ging er nach Wolfenbüttel, Her-zog Heinrichen und dessen Sohn, Herzog Julius zu Braunschwekg zu besuchen,alwo a»f sein Zureden, Herren und Dienern dkeBärte abgeschoren wurden. Nachseiner Zurükkunft nahm er die Domherren zu Magdeburg, und das Hofgesinde vor.Am Ostermitwochen war er zu Halle, bat den gesamten Rath samt Schultheiß undSchöppen, Salzgräfen und Oberbornmeistern auf das Schloß zu Gaste, und bere-dete

?) J.C.v.Dreyhaupts Beschreib, des Saalkreises, l. Teil. S.2Y4»