358 Von dem Gehorſam der Unterthanen
unnachtheilige Mittel vorhanden ſeyn, um den Re-genten in den Schranken der Gerechtigkeit und Bil-ligkeit zu erhalten.
*) Meines Erachtens muß entweder die Regierungs-form eine vollkommene Alleinherrſchaft ſeyn; oderder Regent muß ſich durch die Grundverfaſſungendes Staats dergeſtalt gebunden befinden, daß erzwar Gutes zu thun alle nur moͤgliche Gewalt hat,etwas Boͤſes aber und dem Staate nachtheiliges zuunternehmen, aller Mittel und Kraͤfte beraubet iſt.Die Freyheiten und Privilegien der Staͤnde und desVolkes, die bloß in der Angelobung des Regentenbey ſeiner Gelangung zum Throne ihren Schutz fin-den, ſind ohnedem ein bloßes Spielwerk, die bloßeinigen Privatperſonen, nicht aber dem geſammtenVolke, zum Vortheile gereichen. Engelland hat un-ter den gemiſchten Regierungsformen ohne Zweifeldie vortrefflichſte und weiſeſte Verfaſſung. Der Koͤ-nig hat daſelbſt alle Gewalt, die zur Gluͤckſeligkeitdes Volkes in Krieges⸗ und Friedens⸗Angelegenhei-ten noͤthig iſt. Dennoch iſt die Grundverfaſſungdes Staats ſelbſt eine ſichere Schutzwehre widerUnternehmungen, die auf Einfuͤhrung einer unum-ſchraͤnkten Alleinherrſchaft abzielen moͤchten.
§. 343.
Jedoch ſinddde Dennoch kann man nicht ſagen, daß der Gehor-ö ſam der Unterthanen gegen den Regenten und denderdie gottlicen Staat ohne alle Ausnahme iſt. Es iſt offenbar,E daß er nicht weiter gehen kann, als ſich die Graͤnzenfen, keinen Ge⸗ der oberſten Gewalt im Staate ſelbſt erſtrecken.borſam ſchuldig. Der Endzweck der Republiken, und ſolglich der ober-
ſten Gewalt ſelbſt, iſt bloß auf die buͤrgerliche Ver-faſſung und die zeitliche Wohlfahrt des Staats ge-richtet. Folglich kann ſich die Gewalt des Regentennicht auf die Religion oder den Glauben der Unter-thanen und die Beherrſchung ihrer Gewiſſen erſtre-cken(§. 9r). Sie ſind alſo in dieſen Dingen, wo-von ſie allein dem unendlichen Weſen Rechenſchaft
zu