386 Von der Treue der Unterthanen
den, weil ſie den Umſturz und das Verderben desgeſammten Staats nach ſich ziehen koͤnnen. Daherhat man ſie auch mit dem Namen des Hochverraths,oder der Majeſtaͤtsverbrechen(Crimen læſæ majeſta-tis) beleget, und die ſchaͤrfſten Strafen darauf geſetztt.Es iſt noͤthig, daß wir eine jede Art etwas naͤherbetrachten.
§. 372.
) Wenn moen Unter diejenige Art des Hochverraths, worunter
die aͤußerliche Sicherheit des Staats Nachtheil leidet,
ſtoren ſuchet. gehoͤret vornehmlich, wenn ſich jemand bemuͤhet,Krieg und Misverſtaͤndniß zwiſchen dem Staate undandern freyen Maͤchten zu erregen, oder ſich mit demFeinde, oder einer widriggeſinnten Macht in eine demStaate nachtheilige Correſpondenz einlaͤßt. Ja dieVerrathung der Geheimniſſe des Staats an eineauswaͤrtige Macht, ſie ſey gegen den Staat freund-ſchaftlich oder feindſelig geſinnet, iſt eine Art desHochverraths, die harte Beſtrafung verdienet, weildadurch die ſchuldige Treue eines Bedienten und Un-terthanen verletzet und dem Staate Nachtheil zugezo-gen wird; indem es kein Geheimniß ſeyn wuͤrde,wenn die oberſte Gewalt vor gut befaͤnde, andernMaͤchten davon Eroͤffnung zu thun. In gewiſſemBetracht muß man ſogar die Mittheilung der inner-lichen Verfaſſungen und Einrichtungen des Staatsan auswaͤrtige Maͤchte, oder deren Bediente und Un-terthanen, vor ein Staatsverbrechen halten, weil der-gleichen Nachrichten zum Nachtheile des Staats an-gewendet werden koͤnnen*).
*) Dahin gehdren vornehmlich die Nachrichten vondem innerlichen Zuſtande des Kriegesheeres, ſeinerStaͤrke und Schwaͤche, ſeiner beſondern Krieges-uͤbungen oder vorzuͤglichen Art des Geſchuͤtzes undanderer Kriegesbereitſchaften; wie nicht weniger
die