verſteht.
Was man un-ter der Klugheit
448 Von dem Vermoͤgen uͤberhaupt.
menhang ſtehen, oder gerathen koͤnnen, im vorausvorzuſtellen, und davon entweder einen vort) ilhaſti-gen Gebrauch zu machen, oder darwider dienlicheMaaßregeln zu erfinden ſuchen; und ob wir zwarnicht allemal unſere Abſichten erreichen koͤnnen: ſomuß doch einen vernuͤnftigen Mann keine Begeben-heit unvermuthet uͤberraſchen, darauf er ſich nich imvoraus gefaßt gemacht, und das daraus entſtehendeUngluͤck und Bitterkeit ſo viel moͤglich gemilderthaͤtte*). 8*) Die Lehre der Stoiker, nach welcher ſie ſich allemoͤgliche Ungluͤcksfaͤlle ſchon im voraus vorzuſtellen,und ſich darwider mit Standhaftigkeit zu be vaffnenſuchten, war alſo in ſo weit nicht zu verwerfen.Denn je bekannter wir mit einem Ungluͤcke ſind, deſtoertraͤglicher wird es uns; und wir vergroͤßern unsin der That unſer Ungluͤck, je ungeduldiger und un-williger wir es ertragen; zu geſchweigen daß unſereUnwilligkeit kein Linderungsmittel dargegen iſt.
§. 431.
Wenn wir die mit unſern Geſchaͤfften und Angele-genheiten in Verknuͤpfung und Zuſammenhangſtehen-den Umſtaͤnde und Begebenheiten genau erwaͤgen: ſowerden wir finden, daß allemal gar verſchiedene Mit-tel und Wege vorhanden ſind, die uns zu einerleyEndzwecke fuͤhren. Indem wir nun die beſten dar-aus zu erwaͤhlen wiſſen: ſo verfahren wir klug. DieKlugheit iſt alſo die Faͤhigkeit, aus verſchiedenen Mit-teln und Wegen, um zu unſerm Endzwecke zu gelan-gen, den beſten zu erwaͤhlen. Der beſte Weg aberiſt derjenige, auf welchem wir die Sache auf die voll-kommenſte Art, mit den wenigſten Schwierigkeitenund Koſten, und ohne Verletzung unſerer Pflichtenzu Stande bringen; wobey es auf eine Kenntniß derWelt, und auf eine gute Einſicht in die? reigun-gen und Leidenſchaften der Menſchen“, gar viel an-
koͤmmt.