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Abhandlungen über die Geschichte des Friedensschlusses zu Utrecht zur Beendigung des spanischen Thronfolgekriegs / von Johann Konrad Fäsi
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Ueber den spanischen Thronfolgekrieg.

geneigt fand, leisteten aber diesem Monarch einen amden, glcichwichtigen Freundschaftsdienst. Unter dersel-ben Vermittelung fiel es dem Kaiser leicht, mit den sooft besiegten Türken in dem iödsten Jahre zu Karlo-wih einen vorrheilhaften Frieden zu schließen. BeydeSeemächte wollten den, Kaiser die Hände frey schaffen,ju seinem eignen Vortheil alle seine Macht zu gebrau-chen, wenn der Tod Karls II. einen Krieg wider Frank-reich unausweichlich machen würde. Sie wünschten,daß diejenige Macht, der alle Vortheile zuwachsen soll-ten, auch die meiste Last trüge, nicht aber daß sie beyde,wie es in dem letztem Kriege erfolget ist, solche kragenund dann abermal sich nur mit minder wesentlichen Vor-theilen begnügen sollten.

Aber auch die französische Staatsklugheit zeigte sichwährend der kurzen Friedcnszeit ausnehmend wirksam.Der König und seine Staatöbeoienke waren fest ent-schlossen, die Verzicht der verstorbenen Königinn aus die-sem scheinbaren Grunde ungültig zu erkennen, daß die-selbe, weil sie damals unter väterlicher Gewalt stand,und also zu der Verzicht genöthiget worden, ihren Kin-dern und derselben Nachkommenschaft keinen Nachtheilhabe zufügen, und derselben natürliche Rechte veräußernkönnen. Der feste Vorsah war gefaßt, wenn es nichtangehen sollte, die ganze spanische Monarchie dem HauseBourbon zu unterwerfen, sich doch einen beträchtlichenTheil derselben, es sey durch Verträge, oder durch dieWaffen zuzuwenden. Der Marquis von Harcomt,emer der klügsten französischen Staatsmänner, wurdegleichach dem Frieden an den spanischen Hof abge-lchrckt. Sein Auftrag bestund vornehmlich darinn,en Hof selbst, die Großen, die Geistlichkeit, sogar dasVolk, durch Höflichkeit, Freundschaftsanträge,durch Verheißungen, durch die ausnehmenden Vortheileeines künftig ununtcrbrochnen Friedens zwischen beydenMonarchien, durch den Schimmer der UnteilbarkeitA 5 der