Buch 
Abhandlungen über die Geschichte des Friedensschlusses zu Utrecht zur Beendigung des spanischen Thronfolgekriegs / von Johann Konrad Fäsi
Entstehung
Seite
42
JPEG-Download
 

42

Erste Abhandlung.

dies ergiebet sich hieraus, daß er dem spanischen Ge-sandten zu Versailles die Vollmacht gab, Falls Lud-wig XIV. sich weigern sollte, das Testament anzuneh-men, — und wenn er den Theilungsvertrag demselbenvorziehen wollte, den Kourier unaufhaltsam nach Wienzu schicken, um den Erzherzog Karl auszufodern, demletzten Willen des Königs ein Genüge zu thun.

In dem französischen geheimen Staatsrath, derüber die Annehmung oder über die Verwerfung desTestaments des verstorbenen spanischen Monarchs ver-sammelt wurde, waren die Glieder desselben, obgleichsolche nebst dem König und dem Dauphin, eigentlichnur aus drey Personen, dem Kanzler Pontchartrain,dem Herzog von Beauvilliers und dem StaatssecretairMarquis von Torcy bestunden, in ihren Gesinnungennicht einhellig.

Der Kanzler und der Marquis von Torcy riechenzur Annehmung des Testaments, aus nachstehendenGründen; „daß, wenn der König sich weigern würdedasselbe anzunehmen, der gleiche Antrag dem Hofe zuWien müsse gemacht werden, also sey an keine Thei-lung mehr zu Gedenken. — Die spanische Nation wer-de sich nicht lange bedenken, den Erzherzog als ihrenKönig zu erkennen, wenn Frankreich auf der Theilungbestehen wolle. So würde Oesterreich seine ihm so starkam Herzen liegende Absicht erreichen. Der Vater aufdem deutschen, der Sohn auf dem spanischen Thronewürden die für Frankreich so äußerst unglücklichen Zei-ten Karls V. erneuern. Der Ryßwikische Friede, beywelchem Frankreich aus Edelmuth so vieles aufgeopfert,würde bald aufgehoben seyn, und der Theilungsvertragwürde zu schwach seyn, denselben in Ansehen zu erhal-ten. — Der Kaiser habe sich bis auf diesen Tag gewei-gert denselben anzunehmen. Weder derselbe noch dieSeemächte gedenken im Ernst daran, daß Frankreich

bey