76 Zwvte Abhandlung.
Niederlande abzutreten, der Republik große Handlungs«vorrheile einzuräumen, und ihr eine genügsame Vor-mauer in Flandern zu verschaffen."
Sollte, bey solchen aufrichtig gemeinten Antragenund vorläufig zugestandenen Hauptsachen, der Friedeselbst nicht ein Werk nur von wenigen Tagen gewesenseyn? Welche von den Absichten der Bundsgenossen,welche von den Erwartungen der vereinigten Nieder-lande würde hierdurch nicht erzwecket worden seyn? Viel-leicht diese, daß man Frankreich dadurch noch nicht ge-nugsam gedemüthigct achtete. — Sollte ein bourbo-nischer Prinz auf dem Thron von Neapolis, einer einzi-gen Land- oder Handlungtreibenden Macht jemals ge-fährlich seyn können? Diese benden Staaten, gesetztdaß man auch noch Sardinien und die Festungen aufder toscanischen Küste dazu gefodert hätte, waren alleswas man für den K önig Philipp verlangte, und womit'er sich dazumal begnüget hatte. Ein geringschätzigerTausch gegen das ausnehmend größere und wichtigere,das man dem Gegner überlassen wollte. Es warenVorschläge, welche nicht nur jedem der Bundsgcnossen,sondern welche so gar ganz Europa zuträglich wordenwären.
Man muß doch nach einem Verlauf von sechzigJahren eingestehen, die gesunde Staatsklugheit hättees von der Republik gefodert, nach solchen Versichcrun-aen alles anzuwenden, daß schleunig eine Friedenshand-lung von allen Theilen beliebet würde. Die Hauptab-flcht, da die Bundsgenossen sich entschlossen Ludwig Xl V.und seinem Enkel den Krieg anzukündigen, war, zuverhindern, daß nicht beyde Kronen, Frankreich undSpanien, samt Indien von bourbonischen Prinzen be-herrschet würden; zu verhindern, daß nicht etwan diesebenden mächtigen Monarchien von eben demselben Fürstbeherrschet werden möchten. In dieses willigte nun
Frank-