442 Geschichte des spanischen Thronfolgekrieges
1701 welche es in dem trottn Jahre bey dem Anfang desKriegs gegen die vereinigten Niederlande besessenhatte. Der König selbst hatte schon das drey undsechzigste seiner Jahre erreicht. Die Schwachheitendes Alters, der Hang zur Andacht, zu äußerlichenNeligionswerken, zur Unvertragsamkeit — mehretensich bey ihm. Ja die Frau von Maintenon, welche ersich wegen ihres Verstands, ihrer Einsichten und Gefäl-ligkeit gegen ihn, wegen ihrer mit des Königs Bekeh-nmgssuchk gleichen Neigung, in Geheim hatte alsGemahlinn antrauen lassen, regierte den König gänzlich.Ohne derselben Rath anzuhören, hatte sich der Monarchgewöhnt, keine Geschäfte von Wichtigkeit mit seinemStaatörath abzuschließen, und die Herzoginn vonBurgund, eine savoysche Prinzessinn, lenkte den Hof;öfters auch durch ihre Schönheit, Witz und einnehmendeSchmeichelet) den König selbst. Als die gleichsam auf-gehende Sonne mußten sich die Staats- und Kriegs-beamte nicht selten ihre Einfälle und Anhänglichkeit anihr väterliches Haus gefallen lassen. Von diesenFrauenzimmerregierungen ließ sich nicht immer das,was das Beste der Nation, nicht immer das, was dieEhre des alten Königs erfoderte, welche doch demselbenso nahe an der Seele lag, erwarten. Dann warenauch die großen Männer, Colbert, Louvois, Konde',juxenburg, Türenne — dahin, oder diejenigen,welche sie an Geist, Erfahrung und Geschicklichkeitersehen konnten, schmachteten in der Dunkelheit.Die Marschalle von Catinat, Vendome hattengroße Verdienste, aber nicht immer die Hofgunst.Villeroy, Tallard, Bouflers — wurden erhoben,vorgezogen, weil sie mächtig unterstützt waren. DerKönig kannte und ehrete die Geschicklichkeit des Villars,ober nicht selten wurde seinen bessern Einsichten so sehrentgegen gearbeitet, daß er diesen Kriegsmann ungenutztlassen mußte. Der große Verfasser der brandenburgi-
scheu