DerBeruffdesWen-ſchen.
6 Schauplatz der Natur.
uͤbrig, welcher den Unterſchied zwiſchen demMenſchen und den Thieren noch weit merk-licher macht. Die Einſicht, ſo die lezternetwa haben, macht ſie blos geſchickt ihreNahrung zu ſuchen, und entweder dieGegenwart des Menſchen aus Furcht zuvermeiden, oder demſelben mit Eifer zudienen. Geſchiehet es zuweilen, daß ihreFurcht ſich in eine Wuth gegen ihn ver-kehret, ſo kommt dieſes daher, weil ſie Sela-ven ſind, die ihre Staͤrke merken, undauf ſolche Weiſe gebrauchen, als es ihrenunbaͤndigen Beglerden beliebt. Unter-deßen vermag die Klugheit ihres Herrn ei-nen dergleichen Frevel gar leicht zu zuͤch-tigen, oder ſeinem Ausbruche vorzukom-men. Im uͤbrigen zielet alles, was ſie vor-nehmen nur auf das gegenwaͤrtige. Sieſorgen vor nichts, als vor ihren Leib. Keineiniges von ihnen kennet ſeinen Urſprungoder ſeinen Wohlthaͤter. Da iſt kein An-zeigen einer Dankbarkeit, kein Schatteneiner GOttesfurcht. Der Menſch alleiniſt ſo hoch erhoben, daß er weiß, wem eralles zu danken hat, ja daß er ſogar er-innert wird, er ſolle ſich dankbar bewei-ſen. Allem Anſehen nach duͤrfen wir al-ſo ſeiner Hoheit weder in der Gottloſigkeit,noch in einer viehiſchen Tummheit ſuchen.Wir geſtehen ihm den Vorzug ein, derihm alleine gebuͤhret, indem er eezet