Band 
Fünfter Theil. Worinnen der Mensch an sich selbst, dessen Beruf und Geschicklichkeit betrachtet wird.
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Dritte Unterredung. 81

ſondern daß er ihren Gebrauch nach den DieRegeln der Maͤſſigung und der Gerechtig⸗ 1 255keit einrichte. f Pes

Nichts deſtoweniger muß man geſte⸗ uren,hen, daß, ohnerachtet der einſtimmigen Leh⸗ſchen.ren, die der Menſch ſowohl von auſſen, alsin ſeinem eigenen Herzen, ohne Unterlaß em-pfaͤngt, ſeine Vernunft durch die Begier-den verblendet, und durch den Eigenſinnverfuͤhret wird; alſo, daß ſie wegen vielerSachen in Dunkelheit, in Zweifel, inNachlaͤſſigkeit, und in hoͤchſt⸗(gefaͤhrlicheIrrthuͤmer fallen muͤſte, wenn ihr die Of-fenbahrung nicht zu Huͤlfe käme. Ja ſogar in den Sitten, und in dem Gebraucheunſeres Vermoͤgens/ iſt die Vernunft ebenſo wenig unſere Grund⸗Regel, als in Be-urtheilung der geoffenbahrten Wahrheiten.Sie fol get zwar der Regel, aber ſie machtdieſelbige nicht. Der wahre Ruhm, unddie wahrhafftige Beruhigung/ die ſie in derAuffuͤhrung ſowohl, als in Glaubens⸗Sa-chen erlangen kan, beſtehet darinnen, daßſie eine Schuͤlerin der Offenbahrung wird.Waͤren wir unter den Canibalen in Terra-firma, oder bey den Menſchenfreſſern inBraſilien auferzogen, ſo wuͤrde die langeGewohnheit und der eingewurzelte Begriffvon einem vollkommenen Siege uns das-jenige als billig und vergnuͤgend vorſtellen;was allen uͤbrigen Voͤlkern den allerhefftig-

V. Theil, F e