Achte Unterredung. 161
innerſten der Seele ſeldſt gegenwartig ſeynzoder ſie mag in jedwedes Herz einerleyWahrheit, mit unaus loͤſchlichen Buchſta-ben, eingezeichnet haben, oder es mag dieBeſchaffenheit unſerer denkenden Kraͤfftees alſo mit ſich bringen, daß auf einerleyEmpfindung auch einerley Erkenntniß fol-get; So bleibt doch dieſes einmahl, wie dasandere, unwiderſprechlich, daß die Seeledes Menſchen, woferne ſie Aufmerkſamkeitgebrauchen will, im Stande ſey, zu erken-nen, zu urtheilen, zu ſchlieſſen, und an al-len Orten der Welt eben dieſelbige alleinwahre Grundſaͤze der Wiſſenſchafft undeines vernünftigen Wandels zu finden.Warum Gott dem Menſchen dasVermoͤgen beylegte, die Wahrheit zu er-kennen, ohne babey zu wiſſen, wie dieſesVermoͤgen eigentlich beſchaffen ſey, oderwie es wuͤrke? davon iſt die Urſache au-genſcheinlich dieſe: GOtt wolte nicht, daßder Menſch ſeine Zeit auf ein eitles Wiſ-ſen verwenden, ſondern daß er ſich kraͤftigſtbemuͤhen ſolte, das verliehene Vermoͤgenſelber nuͤtzlich zu gebrauchen. Die Wiſ-ſenſchafft von dem Bau der Kehle ſezetniemand in den Stand, angenehm zuſingen. Es kan jemand den Verſuchvon den Kraͤfften des menſchlichen Ver-ſtandes niemahls geleſen haben, er kan
DieHerr-ſchafftdes
Men-ſchen.
aber eine groſſe Erfahrung beſitzen, undL al-