Band 
Fünfter Theil. Worinnen der Mensch an sich selbst, dessen Beruf und Geschicklichkeit betrachtet wird.
Seite
257
JPEG-Download
 

Zwoͤlffte Unterredung. 257tig behaupten? Die Aufloͤſung dieſer Fra-

ge wird auf zweyerley Weiſe bewerkſtelli⸗ b

get: Erſtlich durch die Schluß-Kunſt derreichen Herren, die viele Landguͤter beſitzen;und dieſe wollen wir auch zuerſt betrach-ten; hernach wollen wir weiter ſehen, wasdie geſunde Vernunfft, das iſt: dieSchluß⸗Kunſt der Billigkeit, dabey zuerinnern habe.

Die Eigenthums-Herren der Land-guͤter glauben insgemein, die Welt ſeynur um ihrentwillen geſchaffen und derNeſt des menſchlichen Geſchlechtes verſuͤn-dige ſich zum allerhoͤchſten, wenn er eben-falls einigen Antheil an ihr zu haben ver-lange. Da ſehen ſie nun nach ihrer un-gemeinen Scharfſinnigkeit im Augenbli-cke, daß die Armuth der gemeinen Leuteeine vortrefliche Sache ſey; denn dieſemacht ſo viele Tagloͤhner, als man nurverlangt und haben will; Jeweniger nundieſe arme Leute wegen ihrer Menge an-derswo zu thun finden, deſto mehr kanman ihr gewoͤhnliches Lohn bezwacken, undalſo die Feldarbeit zuſammt der Ende mitdeſto geringerer Ausgabe beſtreiten: Nunaber beruhet die hoͤchſte Gluck ſeeligkeit ei-nes Landes darauf, daß man ſeine Land-guͤter um wenig Lohn mit aller willigenUnterthaͤnigkeit beſtellet kriege: derowe-gen bringt die Armuth der gemeinen Leute

V. Theil. R al-

Dierauch-are Ko-

gick.