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iſt. Sie wird in ihrem Tadeln mit deſtogröſſerer Hize, aber auch mit deſto groͤſſe-rer Gefahr zu Wercke gehen, je mehrereLobſprüche ihr die groſſe Gelaͤufigkeit, unddie Rdichtigkelt ihrer Urtheile zuziehet. Mann,eſinde Nachbarn, Anberwandte undVreunde, alle muͤſſen ſich gefallen laſſen,einer nach dem andern uber ihre Zunge zuſpringen, entweder aus Verachtung, odeaus Elferſucht, oder zufolge der Nachrich-ten, die ſie von ihren Zutragerinnen er-fahren hat. Was wird ſodann nicht ge-ſchehen, wenn dieſer Verſtand zur Be-
mantelung oder zum Dienſte anderer Affec-den gebrauchet wird?
Was vor ein himmelweiter Unterſcheldfindet ſich zwiſchen einem ſolchen unbaͤndi-gen Gemuͤthe, daß in der Erziehung ver-naumet worden, und zwiſchen einer jungen
erſon, welcher man mit Sanfftmuth undunablaͤſſegem Bemühen, einen hohen Be-geiff von der Religlon, und von der Nolh-wendigkeit ernſtlicher Beſchaͤfftigungendepgebracht hat! Erſtreckte ſich gleich ihr
erſtand nur mittelmaͤſſig weit, ſo ma-en ſie doch ihre gute Neigungen, und ihreeſchicklichkeit gluͤcklich. Sie lebet ver-Alg, weil ſie ſich bald mit einiger Hand-belt, bald mit dem Leſen eines nuͤzlichenuches zu beſchaͤfftigen wels; und ſie wirdF 3 von
DieErzie-
hung der
Toͤchter.