10 28. Buch. Heinrich der Vierte.
r5yo machen. Aber er sah, daß er sich grausam betrogen hatte, selbst noch auf der Reise.Sein Hochmuth und angemaßter Despotismus zog ihm bittern Spott und harte Belei-digungen, sogar von Katholiken, zu. Der König ließ bekannt machen, daß man demLegaten alle Ehre erweisen sollte, wenn er an seinen Hof kommen würde: wendete er sichaber zu den Rebellen, so sollte man ihn nicht als Legaten, sondern als Feind betrachten.Die darüber ausgestellten Befehle wurden buchstäblich vollzogen. Heinrich schickteParteyen aus, welche die Bedeckung, die den Legaten nach Paris bringen sollte, zerstreue-ten, und Gaetano, der Frankreich als Eroberer zu durchziehen gedacht hatte- sah sichgenöthiget, der Hauptstadt als Flüchtling zuzueilen. Die Pariser entschädigten ihndeswegen nach aller Möglichkeit, bereiteten für ihn den bischöflichen Pallast, mit Krön-gerathen geschmückt, und empfiengen ihn königlich. Die Bürgerschaft war unter denWaffen: aber die allzuhäufigen Salven dieser Milch gefielen dem Legaten dennoch nicht;denn er befürchtete, es möchten Uebelgesinnte darunter seyn, die mit Kugeln geladen hat-ten, und ihn erschießen wollten; er gab ihnen deswegen durch Händewinken zu verstehen,sie möchten nur aufhören: allein, nein schössen sie noch ärger, weil sie glaubten, der Legatgebe ihnen die Benediktion. Er gieng hierauf ins Parlament, wo seine Vollmachten gele-sen, eingetragen und gerühmt wurden. Unterdes widerfuhr ihm dabey doch eine Kränkung,die er aber klug verbarg. Als er in den Parlamentssaal kam, gieng er gerade auf denfür die Könige bestimmten Thronhimmel zu, aber da nahm ihn der Prästtent Brissöttunter dem Schein einer Ehrenbezeugung bey der Hand, und wies ihm seinen Platz untersich an, so wie es gewöhnlich war.
Der Legat ist Nunmehr kam es darauf an den Grund der Reichsangelegenheiten zu durch-
nichtimStan- forschen: aber hier fühlte erst der Legat die Schwierigkeit seines Auftrags; er sah sich indcdieVerschic- unaussprechliches Chaos versenkt. Nichts war verwirrter, als die Absichten derInteresse der kriegführenden Parteyen, und daher nichts ungewisser, als die Ergreifung einer von den-Parteyen zu selben. Alle schienen, sich über den ersten Klinkt zu vereinigen, nemlich den alten Kardi-heben. nal von Bourbsn als ein blosses Schattenspiel, als eine Theaterverzierung zu betrach-ten, die nur so lange auf dem Schauplatz, figuriren sollte, bis die wahre Person würdeaufgeführet seyn. Die Frage war also: wer soll diese Person seyn? Der Herzog vontHia^enne, der bisher die ganze Kriegslast auf sich liegen gehabt, wollte entweder dieKrone sich selbst, oder einem Fürsten, der ihm dafür verbindlich wäre, zutheilen. DerKönig von Spanien behauptete, sie gehöre der Infantil: seiner Tochter, weil Elisa-beth, Heinrichs des Dritten Schwester, die Mutter derselben war. Er verlangte,daß man sie krönen, ihn zum Protektor von Frankreich erklären, und ihm die Ertheilungaller Aemter und Pfründen überlassen sollte. Ueberdem machte Philipp viel Rühmensvon seiner Beyhülfe an Volk und Geld, und von seinen noch künftigen Unterstützungen.Der Pariser Pöbel, so wie die Rotte der Sechszehner, und die lebhaftesten Mitgliederdes Raths der Union, die durch spanisches Geld gewoniren waren, stimmten für diesespanische Ansprüche. Das Uebergewicht, das Philipp in dem Unionörarh erlangte, be-wegte den Herzog von lNa^elitte, noch folgende Männer in denselben aufzunehmen:IeattMN/ Vilkersi, Claudius d' Espinac, Erzbischof von Lyon, der sich aus seinemGefängniß, in dem er seit dem tragischen Vorfall zu Blois hatte schmachten müssen, ran-zioniret hatte, und noch andere Civil- und Militarbediente, durch deren Ansehn er denausschweifenden Entschlüssen der Sechszehner Schranken setzen wollte.
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