Band 
Neun und dreyssigster Theil.
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1627

Der Herzogvon Orkansverläßt miß-vergnügt dieArmee.

Nochelke wirdvöllig einge-schlossen-

Seedammzur Sperrungdes RochellerHafens.

29. Buch. Ludwig der Dreizehnte.

den sie nachher nicht wieder anschaffen konnten, verzehrt; und überhaupt bekamendurch ihre Feinde noch mehr Anlaß, den König gegen sie zu erbittern »).

Der König hatte unterdes dem Herzog von Orleans die Anführung der Trustpen unter dem Verwand, daß er selbst Befehlshaber seyn wollte, ob es gleich im Gn»sde Richelieu war, genommen. Der Prinz wurde dadurch so aufgebracht, daß er^ne Armee, wo er nur als Freiwilliger angesehn wurde, verließ, und nach Paris znruugieng, wo er sich bald durch allerhand Ergöhlichkeiten und Liebeshandel zu zerstreuen wust^'

Bisher war Rochelle durch einige in der Nachbarschaft angelegte Schanztmehr beunruhigt als ordentlich belagert worden; allein gleich nach dem Abzug der Eustlander befahl der König, die Stadt völlig einzuschließen. Von der Landseite konnte d>^leicht geschehen, aber nicht von der Seite zur See. Richelieu hatte zwar eine Fls^unter dem Herzog von Guiff an der Küste von Bretagne ausrüsten laßen, und ei^spanische Flotte sollte sich mit ihr vereinigen: allein, da diese weder die Eroberung ^Stadt Rochelle noch das Glück der französischen Waffen wünschte, so erschien siezog sich aber bald wieder zurück. Der Kardinal muste also in Frankreich allein die ^nöthigte Macht zur Bezwingung dieser wichtigen Stadt aufsuchen. Die Fragesoll dies mit Gewalt oder durch blosse Einschließung geschehen? Das erste gefieldemK^dinal nicht, weil man schon im November lebte, weil die Stadt durch eben so vielerschrockene Soldaten vertheidigt wurde, als Einwohner darum waren, lind weilsich auf die Treue der Grossen nicht verlassen konnte, die Rochelle als eine Freistättesich ansah«, die sie nicht gern wollten zerstöhren helfen. Er wählte also den andern, ^zwar langwieriger, aber sicherer war.

Zu dem Ende muste man den Einwohnern alle Gemeinschaft mit dem la^und mit der See abschneiden. Zu Lande bewerkstelligte man dies durch eine Kette vckVerschanzungen, die den ganzen Umfang der Stadt von der Landseite einschloß.Umkreiß derselben betrug vier französische Meilen, lag ausser dem Kanonschuß, u"wurde durch dreizehn Schanzen vertheidigt. Weit schwerer war den Rocheller« ^Hülfe von der See her abzuschneiden. Der Kanal, der mit dem Hafen von Roch^zusammenhängt, war 740. Toisen breit. Diesen Zugang beschloß man durch ei«^Damm zu sperren, der fest genug wäre, der Heftigkeit der Wellen, selbst bey denst^sten Fluchen lind Stürmen, zu widersteh«. Die gleichzeitigen Geschichtschreibermen nicht über den Namen des Erfinders dieses Werks überein. Das Gewisseste sch^zu seyn, daß der königliche Baumeister Metezeau und der pariser Mauermeister ckvhaun Tirist den Entwurf zu dem Damm gemacht und ihn angelegt haben. Zu ^fang des Decembers gieng die Arbeit an, und zwar mit solcher Leichtigkeit, daß ^diese beide Männer nicht mehr nöthig zu haben glaubte, sie mit Lobsprüchen überha'll^jedem dreitausend Livres schenkte und sie wieder nach Paris gehen ließ. Die Arbeitschah durch Soldaten, die nran nach dem Verhältniß der Menge von Steinen, die ssherbcischaften, und der Weite des Wegs, den sie zu gehen hatten, bezahlte. Der^fchof von Nlende führte die Oberaufsicht dabey. Man stieß lange Balken in daszwölf Schuh weit von einander, verband sie durch andre queer gelegte Balken,zwischen diese Balken blos Steine , ohne einigen Mörtel, statt dessen der Schlamm ^nen muste, den das Meer in die Zwischenräume führte. Unten war der Damm

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