Band 
Neun und dreyssigster Theil.
Seite
240
JPEG-Download
 

240

29. Buch. Ludwig der Dreizehnte.

16zi den sie damals das gröste Vertrauen setzte, zu entfernen, und die Partey, die sie -Mutter vom rern Unwillen bestärkte, völlig ztl zerstreuen. Er beschloß so gar, sie selbst vom Ho.'!.Hof, und laßt lind in eine Provinz zu schicken. Richelieu, der nicht für rathsain hich, l

sie bewache». ^ Paris , wo sie viele Anhänger hatte, gefangen nehmen zu lasten, riech dem Kos?

nach Compiegne zu gehen, und glaubte, daß sie ihm gewiß dahin folgen würde, tveulseit dem Tag der betrogenen Hofnung beschlossen hatte, den König überall hin ztl b^Am »7. Febr. ten, und unaufhörlich tim Rache gegen den Kardinal anzuhalten. In der That tt'dsie auch nach Compiegne; Gchomberg und Lhateauneuf betrieben daselbst aufs ncihre Aussöhnung mit Richelieu. Nur zween Wege standen ihr offen; entwedersie sie sich selbst ins Unglück stürzen, um ihre Freunde nicht ztl verlassen, oder sie ni">diese alle der Rachgier des Kardinals aufopfern, um sich mit ihm zu versöhnen. ^

' glücklicher Weise wählte sie den ersten. ^

In einer austerordentlichen Rathsversammlung überlegte man, wie sich ^König in Absicht seiner Mutter zu verhalten hätte, um den Folgen vorzubeugen, dieMißverständnis mit dem Kardinal, ihre hartnäckige Wtderseßung gegen dendes Königs, und ihre geheimen Verbindungen mit Spanien, dem Herzog von Orl^"und andern Feinden des Kardinals, zu grossem Nachtheil des Staats erwecken kos,ten. Richelieu wollte lange seine Meinung nicht eröfnen, und bat um Erlaub"^ -sich vom Hof zu entfernen. Da ihm es aber der König ernstlich befahl, so stimmtauf ihre Entfernung vom Hofe. Man beschloß, der «König sollte sehr früh von Cs'piegne abreisen, seine Gemahlin mir sich nehmen, und seine,Mutier nebst einer betratliehen Wache unter den Befehlen des Marschalls vcmEtrees zurücklassen. TmEschall von Basiömpterre, der Abt von Foix und der Leibarzt vaurier sollten in ^hast genommen, und die Prinzessin von Conti und die Herzoginnen von Elboe^Ossnano (*), Lesdigmeres und Roannez verwiesen werden, ohne vorher mit'

Königin sprechen oder durch Paris gehen zu dürfen. Dieser Entschluß wurde vcs>Amrz.Febr. gen. Der König stand sehr früh auf, und befahl dem P. Süffren, der Königin St,ter so bald sie erwacht seyn würde, von seiner Abreise zu benachrichtigen. ZuZeit sollte der Siegelbewahrer Lhateauneuf die regierende Königin aufwecken ^und ihr sagen, daß sie »«verweilt zum König kommen sollte. Er meldete ihr znSHdaß der König wegen gewisser Ursachen, die das Wohl des Staats beträfen,, die ^nigin Mutter zu Compiegne unter der Verwahrung des Marschalls von »Ltreeswürde. Als sie zum König gekommen war, stellte er ihr die Frau von la Flotte -ihre künftige geheime Kammerdame vor, indem diese Stelle seit der Entfernung des ^sin dü Farxsts noch nicht wieder besetzt war. Sie war die Großmutter des FrK''^von Haureforr, das sich bey ihr aufhielt, und gegen die der König eine vertragNeigung hegte. Er stellte ihr zugleich dieses Fräulein vor, und bat sie, ihr gänsiA'«seyn. Man glaubte, der Kardinal habe dadurch die Königin kränken wollen, rve>'König nun Gelegenheit bekam, das Fräulein oft zu sehen. ,

Die Entfernung der Königin Mutter war für den Kardinal einSieg. Es hatte ihm sehr viel Mühe gekostet, den König, der immer noch ein^<

(*) Nicht Grnano, wie die meisten' neuer» te zum Gemahl Marie SforxaGeschichtschreiber sie nennen. Die Herzogin von Ggnano und Grafen von Santa- StoreGgnano hieß Renate von Lothringen und hatt lien. Sie starb zu Rvm i6z8-