Band 
Neun und dreyssigster Theil.
Seite
619
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zo. Buch. Ludwig der Vierzehnte. 619

So bald diese Artikel aufgesetzt waren, befahl der König, sie in allen Parlamentern zu re- 8 r

SMiren, sie allenthalben zu glsuben, auf allen hohen Schulen zu lehren, und überall so einzuführen,

°"ß die Kandidaten der vicentiaten- und Doktorwürden sie in ihren Disputation» vertheidigten undd-e Bischöfe sie in ihren Kirchspielen lehrten. Es wurden auch diese vier Artikel, wovon die Grund-'been schon im Gerson stehen, sogleich mit dem wärmsten Enthusiasmus in Frankreich vertheidigt,aber nach und nach wieder erkaltete, und nur alsdann wieder rege wird, wenn der König mitdem Pabst in Streit gerath, und wenn er eine Schutzmauer gegen die Angriffe des römischen Hofs^mhiz hat. Gegen das Ende dieser Regierung sieng man sthon an, sie für problematisch zu halten,

'Md der Kardinal Lleur/ ließ sie gar zum Theil von einer Versammlung der Geistlichkeit ver-Eignen.

Innocenz Der Eilfte wurde durch dieses Betragen der französischen Geistlichkeit lind des Ende diesesHofs so sehr aufgebracht, daß er allen vom König ernannten Bischöfen und Aebten die Bestätigung^Streits,bullen versagte, so daß im Jahr 1689 nach dem Tode des Pabsts 29 Kirchspiele in Frankreich ohneAischvfe waren; wenigstens ohne solche, welche die bischöflichen Pflichten erfüllten, ob sie gleich dieEinkünfte zogen. Seine Nachfolger, Alexanver der Achte und Innoccnz der Zwölfte, traten instinc Fußtapfen, bestätigten die Schlüsse gegen die Versammlung der französische» Klerisei), und ver-weigerten den Bischöfen die Bestärignngsbullen. Die Bischöfe, verdrießlich, von dem König zwar^'uennt, aber ohne bischöfliche Verrichtungen zu seyn, baten hernach den Hof um Erlaubniß, den^öabsi zu besänftigen; und der König, dessen Standhaftigkeit ermüdet war, gab sie ihnen endlich.

Jeder von ihnen schrieb besonders nach Rom, daß er über das Verfahren der Versammlung der Geist-lichkeit schmerzlich betrübt sey, und das, was man dabey entschieden, für unentschieden, und wasdabey verordnet, für unverordnet halte. Mit diesem Schritt war Imiocenx vcr Zwölfte zufrie-den: in 'Ansehung des Regals aber wurde es so gehalten, daß alle in dem eigentlichen Frankreich lie-gende bischöfliche Kirchen dasselbe annehmen musten, nicht aber die in den eroberten Ländern. Dochist es nachher mir Einwilligung des Pabsts auch in Lothringen eingeführt worden. Der stärkste Ver-theidiger des königlichen Rechts war Losiüet, dessen Schrift aber erst lange nach seinem Tode ge-druckt wurde, weil der König, der die Streitigkeit, als sie dem Vergleich nahe war, nicht wiederrege machen wollte, sie unterdrückte i).

Zu eben der Zeit, als man die Rechte des Pabsts bestricke, fuhren die Reünionskammern Mischung derftrt, Spaniens Rechte in den Niederlanden anzugreifen, und verordneten, als diese Krone ihrem stanz. Ermäch-Verfahrcn widersprach, daß alle die Lanhercyen, an die sie Anspruch machten, mit der französischen tigmigcn gegenKrone vereinigt werden sollten. Diese Verordnung wurde vollstreckt. Die Franzosen bemächtigten Spanien,w!) fast des ganzen Herzogthums Luxemburg, und fiengcn an, selbst die Hauptstadt einzuschliesscir.

England und Holland gaben sich alle Mühe, Luvwrg von Vierzehnten auf andre Gedanken zuGingen: allein,-er antwortete, seine Ansprüche waren gerecht; wolle man des Friedens ferner ge-wessin, so müsse ihm Spanien Genugthuung leisten, und statt seiner Forderungen in den Niedcrlan-Navarra, Discaja oder Katalonien abtreten. Ais Spaniel,, wie leicht zu erachten, diese Zumu-tung abwies; so erklärte Luvwig, er wolle sich mit Luxemburg begnügen, und erbot sich, den Kö-'"S von England zum Schiedsrichter anzunehmen: aber gegen diesen war Spanien mit Recht miß-trauisch. Endlich wurde doch die Einschließung der Stadt Luxemburg imvermnthet aufgehoben, weilsich die Türken zu einem Einfall in Ungern rüsteten, und der König, wie er vorgab, dem HaustÖstreich fteye Hand lassen wollte, seine ganze Macht gegen die Ungläubigen zu brauchen. Man hat Ludwigs Ab-"ber gross. Ursache zu glauben, daß Frankreich geheime Absichten dabey gehabt habe. Wenigstens sichte» beydem^'ß man, daß Lnvwig, als im folgenden Wchr Wien belagert wurde, den Türken 60,000 Duka-

Hülfsgelder und viele Ingenieure ins ^ager geschickt habe, und daß 60,000 Mann seiner Völker dem ^Kaiser u.u den Gränzen standen, weil er glaubte, wenn Wien ubergicnge, würden die Teutschen genöthigt her Pforte-

-r'' i r seyn,

) Sie fuhrt den Titel: vcknlio ä-cl-irenonis ce- 17-0. 4 Voll. in 12. Xouvean D'üikL lle la k-x-ile par- ouam äe coclLlluiiüca lunxir c!e- A4.L Körtet. 1085. 12.1'ruitecie 1'oriZÜne

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(eigentl. Oensvos) ixzo. rVoll. in 4. Dergl- ^i. z u,,ris 170z. 4. 1. 9. 71 igg.

clc I'e>ÄisL cle Koma, per IÜ82. 1 '. 4. P.2ZI 599. 241-249.

I-Nä ei? I-Lurorike clu kape, Sans leguck t-z äeoirs p. 220-248. S- ck- Lamngarreiiö Abhandl. von dentzssk eraW; rcclui's L leutt stlles bornes, cc Iss Freyheilcn ber Kirche IN Frankreich. Halle 17;-. 4.

"oixes ge» linker sie 1'eZlL L-illic-lne jultiiier. Schlegel Th. 9-S. 54Z - 554.