6zo ZO. Buch. Ludwig der VierzehnLe.
6z; wurden Missionarien und Kontroversprediger ausgeschickt, wozu man insgemein hitzige und uiwerrschämte Köpfe wählte, die ihren Zuhörern Zorn und Galle gegen die sogenannten Ketzer einflößten,und sie oft in eine solche Wuth setzten, das; zur Dämpfung derselben obrigkeitliche Hülfe nöthig war-Hierzu gesellten sich die Federn verschiedener Schriftsteller, die sich schon Ruhm und Ansetzn in dekWelt erworben hatten, und durch ihre Schriften den Ketzereifer entzünden tnusicn. Der berühmtBischof von NismeS, Flechier, schrieb seine Geschichte Theovosins den Grossen, worin er denunchristtichen Eifer dieses Kaisers gegen die Irrgläubigen mit allen Farben der Beredsamkeit als einnachahmungswürdiges Muster abbildete. Maimburg schrieb seine sogenannte Geschichte des Kell^nifmus; Arnaulv seine Schutzschrift für die Katholiken; Nicole sein Buch: die einer Spaltestüberführten Reformieren (*); und der Verfasser des Journal ves Savans behauptete ohn"Scheu, das; man den katholisch römischen Glauben mit Feuer und Schwerd einführen dürfe.
Was viele Geistliche zu vergessen schienen, jähen einige am Hof wohl ein, daß neust^Strenge und Grausamkeit die ungeschicktesten Mittel sind, Menschen von ihren NcligionsmepnuN'gen abzubringen; daher verbot man ausdrücklich alle Gewaltthaten gegen die Reformieren, undvcersicherte immer, daß mau das Edikt von Nantes in seiner Kraft lassen wollte. Man suchte kiePr"'restanten lieber durch Geld als durch Strafe» katholisch zu mache». Pollrsson besonders, der ro^dem rcsormirt gewesen, bekam vom König die Einkünfte der Abceyen St-Denis des Prez und Ll'km, nebst einigen andern Einkünften, um sie unter diejenigen, die sich bekehren wollten, zu ve^theilen; und er bewies sich hierin sehr eifrig. Andre suchte man durch Lossrrcts Auslegung vc"Glaubens zu überführen, daß die katholische Religion von der reformirtcn so sehr eben "nicht rE'schieden sey; und es gclung bisweilen. Selbst Madame von Maintcnon, die ehemals referwmgewesen, machte Bekehrungen.
Weil aber diese gelindere Mittel keine so grosse Würkung thaten, als man sich verspE'chcn hatte, so beschloß man bei) Hof , offenbare Gewalt zu brauchen. Der König , den Madai^von Maintcnon in einen Scheinheiligen verwandelt, hatte schon lange mit dem Erzbischof Harlf'von Paris, mit dem Bischof Lossuct von Meaux, mit seinem Beichtoaker la Chaise, und nnPelliffon, geheime Unterredungen gehalten, die Anfangs von der Gottesfurcht und nachher a»^von der Verschiedenheit der Religion in Frankreich handelten. Man rühmte ihm den Eifer A»N'Udes Grossen und des Kaisers Theovos gegen die Ungläubigen und Ketzer. Man stellte ihm ^Lehre» der Neformirten sehr verhaßt und abscheuwürdig vor, und sagte ihm, daß die Ausrottn^derselben ihn erst zum vollkommenen Herrn von Frankreich machen würde. Man prophezcyhte ih>^unsterblichen Ruhm, wenn er ein Werk zu Stande bringen würde, das sechs seiner Vorgänger vssgebcns versucht hätten; ja man versicherte ihn, daß kein besseres Versöhnungsmittel für alleSünden ftp, als wenn er alle seine Unterthanen katholisch machtet**). Lorwoisward endlich ^diese geheimen Unterredungen eifersüchtig, und bemühte sich, ihren Inhalt zu entdecken; und " ,Liess geschehen war, wollte er auch Theil daran nehmen. Weil er nun wnste, daß der KönigAnschläge schnell ausgeführt wissen wollte, und sich vor den unzähligen Schwierigkeiten fürcht^die mit der Bekehrung so vieler tausend Unterthanen — man rechnete anderthalb bis zwonen Ncfvrmirte in Frankreich — verknüpft waren; so rieth er zur Gewalt (***) und verlangte, ^Soldaten niit zur Bekehrung der Reformirtcn würken sollten. Alsbald wurden Priester undgoner mit einander in die Provinzen ausgeschickt, um die Reformirtcn katholisch Lu machen. ,Bear,, ficng man an; hierauf kam die Reihe an Ober, und Nieder,-Güycnne, an Saintonge, 'UlS, Pvitou, Oberlanguedok, Vivarcz und Dauphinc'. Und endlich hatten auch die Norina»^Bvurgognc, Nivernois, Verri, Orleauois, Touraine, Anjou, Bretagne, Champagne, P>^ ,,und Isle de France, ja selbst Paris, gleiches Schicksal. Die Intendanten machten den Protest^teil in diesen Provinzen zuerst den Willen- des Königs bekannt, daß sie ohne Verzug katholisch '"Wden sollten; und wenn sie es nicht freywiüig thun würden, so würde man sie mit Gewalt da;"^,,
(*) DiestSchristcn sind sehr gründlich Lurch Llau- ('") Anfangs muß Lsuvoio doch gelinde Ap,de, Sayle, Daonage und andre widerlegt worden, angepriesen haben, wenigstens sagt U>ai»,tc>w ,r
(") Daher sagt Maintcnon >» ihren l-crcres (g der vorhin angeführten Stelle: t-ouvois «eru r
desnczi 17^2. 2-Ivmss in 12.) ss. i-p-aog. Lecre ls äoriceur, ce gui ns s'accorüe poiac avcc io»
encreprift le (kvi) couvrira ile xloire llevanr Oisu er rU bouiUsnc er impsmoux. Der Brief istlisvanc lss irommsz. AiGust 1684.