Vorrede»
Bis endlich allgemach des Glaubens ReinigkeitIn Wissenschaften auch die Finsterniß zerstreut.
Den Künsten Platz gemacht, Und die Vernunft erwecket,Dadurch man die Natur und Wahrheit ißt entdecket.
In Leipzig war jedoch der Musen erster Sitz,
Als noch Germanien Gelehrsamkeit und WitzIn Welschland und Paris und Prag zu suchen pflegte,
Und in sich selber nichts von freyen Künsten hegte.
Auch hier verklärte bald des Glaubens reines LichtDes Unverstandes Nacht. Die Musen säumten nicht,Aus Griechenland und Rom nach Norden hinzuziehen;Man sah die Barbarey vor ihrer Ankunft fliehen.
Die rauhe Mundart nur verhinderte den Zweck;
Apollo kannte noch den ungebahnten WegDer wüsten Hügel nicht, die er beleuchten sollte,
Weil alles nur Latein und Griechisch dichten wollte.Allmählich siegte doch der Musen steter Fleiß;
Sie lernten endlich Deutsch, und Opitz trug den PreisZu allererst davon, dem bald mit deutscher Zungen,
Auf Meißens Helikon, ein Fleniming nachgesungen,
Dem Dach in Preussenland so glücklich nachgespielt,
Daß Odoacers Berg der Töne Kraft gefühlt,
Ja, wie man sagt und glaubt, der Pregel selbst indessenDen sonst gewohnten Lauf, für reger Lust, vergessen.
Ihr Musen! sagt mir doch, warum es nicht geschehn,Daß unser Vaterland mehr Frucht davon gesehn!
Daß Sprache, Witz und Geist in Schlesien und Sachsen,Nach dieser Helden Zeit, nicht schleuniger gewachsen;
Daß fremder Wörter Raub die Reinigkeit verstellt; .Daß nur ein welscher Dunst die Schreibart aufgeschwellt,Und die Vernunft erstickt. Ach was für FinsternissenHat unsre Dichter-kunst sich unterwerfen müssen!