Buch 
Herrn Johann Christoph Gottscheds ... Gedichte / Johann Christoph Gottscheds / gesammlet und herausgeben von Johann Joachim Schwabe
Entstehung
JPEG-Download
 

Vorrede.

So seufzte Philuris, und ihrer Stimme SchallVerdoppelte die Kraft durch einen Wiederhat!,

Der durch die Thäler drang, und durch dieß starke TönenErholte sich ein Paar von ihren besten Söhnen.

Es wachte Ziegler auf; ihm folgte Wenzel nach,

Für welche Philuris gleich Lorberzweige brach;

Auch Amthor kam dazu, der Jüngste von den dreyen,Doch stark und eifrig gnug, die Mutter zu erfreuen.

Kaum sah und hörte dieß die wüste Barbarey:

So machte gleich ihr Schlund ein lautes Feldgeschrey.Wie sonst ein starker Schwärm neu ausgeheckter Bienen,Wenn seine Fürstinn nur in freyer Luft erschienen,

Aus seinem Stocke dringt, und dieser FührerinnZu folgen willig ist, doch selbst nicht weis, wohin;

Die jungen Flügel regt, und durch sein Summen lehret,Wie hoch es den Befehl von seiner Fürstinn ehret:

So häufig drang auch hier das ungeheure ReichDer Barbarey herzu. Nichts ist der Menge gleich,Womit dieß rasche Volk, vor den erhöhten Bühnen,Darauf sie selber stund, im Augenblick erschienen.

Ihr Kinder, hub sie an, :c.

Es wird dich nicht wenig Wunder nehmen, ge-liebterLeser! daß du hier den Titel, Schafergedich*re, nicht gewahr wirst. Wundere dich aber darü-ber nicht. Du weist, daß ein Dichter die Natur zumVorbilde hat, und nur deren Schönheiten nachzu-ahmen-sucht. Wo zeigt aber itzt die Natur das alteSchaferleben? Wo herrscht die Unschuld, die dar-innen vorkommen soll? Wo istdie güldene Freyheit,die reine Liebe und die tugendhafte Einfalt, die dasWesen derselben sind? Wie kan nun ein Dichterdas wieder vorstellen, was er nirgends mehr erblickt?