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Herrn Johann Christoph Gottscheds ... Gedichte / Johann Christoph Gottscheds / gesammlet und herausgeben von Johann Joachim Schwabe
Entstehung
Seite
6
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6 Der Oden erstes Buch.

<§o that schon deine weise Jugend,

O Carl, Germaniens August!

So handelst du noch iHt, denn deiner HeldentugendIst Gnädigseyn die größte Lust.

Gerechtes Haupt, du liebst die Deinen,

Du kennst und suchst, was Ländern Wohlfahrt bringt;Du weist, daß auch der Sieg dem Sieger schlecht gelingt,Wenn Völker den Triumph beweinen.

Du weist, das Kriegesglück hat pfeilgeschwinde Flügel,Und giebt für Köpfe Graus und Ziegel.

Du schenkst Castiliens Provinzen,

Die dir das Erbrecht zugedacht,

Dem Sohne Ludewigs, des nievergnügten Prinzen;Weil deiner Großmuth Trieb erwacht.

Germanien rufft dich zum Throne,

Den Habsburgö Stamm seit grauer Zeit geziert,

Dieß grosse Reich wird nur durch dein Verdienst gerührt;Du kömmst, und nimmst die Käyserkrone.

Kein Wunder! wer den Geist zum Frieden weis zu lenken,Kan leicht ein Königreich verschenken.

Den Schluß wird keine Zeit vergessen,

Den jüngst dein hoher Geist gefaßt;

Als du Europens Wohl mit Vorsicht abgemessen,

Des Reiches Heil besorget hast.

Du siehst, o Carl, auf ferne Zeiten,

Dein Rath bedenkt der Deutschen Sicherheit.

Wie oft hat Stambol uns den Untergang gedreut?

Wie oft zwingt uns Paris zum Streiken?

Wer kan auf beyde so, wie Oestreichs Degen blitzen,Und Deutschland ost- und westwerts schützen?