Buch 
Herrn Johann Christoph Gottscheds ... Gedichte / Johann Christoph Gottscheds / gesammlet und herausgeben von Johann Joachim Schwabe
Entstehung
Seite
8
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8 Der Oden erstes Buch.

36as machts? Dort warst du fest verbunden,

Hier trennt dich Stolz und Eigennutz.

Wer seinen Rührn verficht, wird schwerlich überwunden;Die Zwietracht nur braucht fremden Schutz.

Erwacht, ihr alten Grajer-Helden,

Die Trojens Burg zehn Jahre lang bekriegt,

Wo zwanzig Fürsten kaum ein einzig Volk besiegt;

Ihr sollt uns aus Erfahrung melden:

Ward nicht aus Zwiespalt bloß, darinn ihr oft gestanden.Euch Zeit und Volk und Ruhm zu schänden?

Eo giengs: Doch eures Fehlers FrüchteSind unsichtbar für unsre Zeit.

Germanien nimmt ab, gleichwohl deckt sein GesichteNoch keine Scham und Blödigkeit.

Der Feind erweitert stets die Grenzen,

Das Reich wird klein, doch seine Söhne ruhn.

Wer denkt an seine Pflicht? Wer will das Seine thun?Wer läßt sein Schwerdt für Carlen «glänzen?

Der kalte Nord bricht auf, die Cimbrer und die ScythenSieht man das deutsche Reich behüten.

Die Nachwelt wirds erstaunend lesen,

Was unser Blick bestürzt gesehn;

Was, seit der Weltkreis stund, ganz unerhört gewesen,Das Wunderding ist jüngst geschehn.

Die Bürger von dem Wolgastrande,

Archangels Volk, ein Heer von Astracan,

Vom weiten Caspermeer, Siberien, Casan,

Und Nachbarn vom Hirkanersande;

Die alle brachen auf, auf unsers KäysirS Winken,

Aus dem entfernten Rhein zu trinken.

O Carl!