iz6 Der Oden andres Buch.
Erblaßter Klausing! werther Freund!Du frühes Beyspiel dieser Klagen!
Wer hätt es wohl so bald gemeynt,
Dich in die kühle Gruft zu tragen?
Was hilfts, daß dein bemühter FleißDen Wissenschaften nachgerungen,
So, daß Minervens Lorberreis,
Schon dein gelehrtes Haupt umschlungen?Was hilft dir aller Musen Gunst?
Der Tod fragt nichts nach Geist und Kunst.
Dein sanftes Wesen, dein Gemüth,Dein tugendhaftes stilles LebenHat in der Welt umsonst geblüht,
Und kan ihr keine Früchte geben.
Drum klagt, wer dich nur halb gekannt,Drum müssen deine Freunde weinen:
Denn wer dich liebenswürdig fand,
Mag hier nicht unempfindlich scheinen.
Mir selbst ist herzlich leid um dich,
Mein Jonathan, mein andres Ich!
Ihr, theuren Aeltern, thut zwar rechtsDaß ihr den liebsten Sohn beklaget;Zumal ihr euer ganz GeschlechtMit ihm zugleich zu Grabe traget.
Doch denkt an den, der ihn geraubt;
Ists nicht der Vater aller Liebe?
Da gehts ihm besser, als ihr glaubt;
Als wenn er länger bey uns bliebe:
Da werdet ihr nach kurzem FlehnIhn voller Freuden wieder sehn.