Der Oden andres Buch.
O hätt ich nur ihr letztes EndeMit eignen Augen angesehn!
Wer weis, ob ich, wenn dieß geschehn,
Den Gram nicht leidlicher empfände?
Ich hätt ihr noch den welken MundMit meinen Lippen zugedrücket: .
Dieß hätte mich vielleicht erqvickek;
Dieß machte mich vielleicht gesund. -Doch eitle Hoffnung! Nein, ach nein!
Ich würde nur noch schwächer seyn.
gerechter Himmel! darf ich fragen,Warum doch deine Vaterhand,
Die meine Wunden sonst verband,
Mich selber ißt so hart geschlagen?
Kam unser Bündniß nicht von dir?
War ichs nicht werth, so viele Gaben,
Als sie besaß, geliebt zu haben;
Warum verbandst du mich mit ihr?
Und war ichs werth, o harter Schluß!
Wie kömmt es, daß sie sterben muß?
880 komm ich hin? Mein Geist wird irre!Ein Thräncnstrom ergießet sich;
Der Jammer überwältigt mich,
So, daß ich auch ihr Lob verwirre.
Ach ließe mich des Kummers MachtDie Ordnung in mein Aechzen bringen.
Die ihr Verstand in allen DingenRecht wundernswürdig angebracht:
So müßte warlich auch ein SteinBey diesem Reim empfindlich seyn»