Der Oden drittes Buch.
Aat sie nicht durch reine Sitten,Sich den edlen Ruhm erstritten.
Daß ihr Wandel ganz und garUnbefleckt und köstlich war?
War sie nicht der Unschuld Tempel,Und der Keuschheit Eigenthum?Warlich, ein so schön ExempelBringt der Tugend neuen Ruhm.
freylich habt ihr viel verlohren:Aber, war sie denn gebohren,
Dieser Eitelkeit alleinEwig Unterthan zu seyn?
Schuff sie Gott nur dieser Erden,
Die doch nur ihr Gasthaus hieß?Nein; sie sollt ein Engel werden,
Und ein Schmuck ins Paradies.
Aaßt euch denn, ihr Hochbetrübten!Antonette, die wir liebten,
Unsrer Jugend Preis und Zier,
Ist weit glücklicher, als wir.
Ihre Scheitel trägt die Krone,
So sie glaubensvoll erreicht:
Wo sie vor des Lammes ThroneLämmern an der Unschuld gleicht.
Epare dich für deine Heerde,Vaterherz! dem die BeschwerdeDer gehäuften TraurigkeitEine jähe Nachfahrt dräut.
Deine Schafe brauchen Weide,
Wenn nun stets der Hirte klagt.
Wird bey gar zu vielem LeideIhnen auch die Flur versagt.