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Herrn Johann Christoph Gottscheds ... Gedichte / Johann Christoph Gottscheds / gesammlet und herausgeben von Johann Joachim Schwabe
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488
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488 Fünftes Schreiben.

Nur eins, o Dichterinn! hat mich bisher gereut,Daß meines letzten Reims verwünschte DunkelheitDir den Verdacht erweckt, als hätt ich mich vergessen,Und dir, zur Ungebühr, ein Laster beygemessen;

Ein Laster, dessen Spur ich nie an dir gesehn,

Das du so sehr gehaßt, als selten wo geschehn:

Indem du stets geglaubt, der Musen keuscher OrdenSey niemals der Gewalt der Liebe zinsbar worden. , -Nein, Werthe! glaub es nicht. So sehr es dir auch s^'So wenig hat dein Knecht es neulich so gemeynt.

Sprich selber, kan ein Vers nicht ohne Schuld entzück^'Kan Orpheus durch sein Spiel nichtBaum u.Thier entt'ü^Und nimmt die Poesie nicht tausend Herzen ein,

Die gleichwohl nicht verliebt, viel minder unkeusch sey"'Ich weis,du giebst mir recht; waswillstdu michde-n: j

Was klagst du über mich? Was hebst du an zuWas hat dein Diener Schuld, wenn Geist und Fed« rDaß ungefehr ein Reim ein wenig dunkel wird? ?

Was hab ich wieder Zucht und Ehrbarkeit verbrecht'Hab ich wohl je zu dir ein arges Wort gesprochen?Fürwahr! ich schwöre drauf, seit dem du mich gekannt,Hast du mich selber wohl den Züchtigen genannt.

So lieblich du auch warst, hab. ich mich doch beschickUnd allen freyen Scherz der jungen Welt gemieden:

Und hab ich was versehn, so ist der Fehler klar,

Daß ich an deiner Hand fast gar zu blöde war. ,Wie konntest du nun jüngst so scharf mit mir versah^Wie konntest du doch nicht Verweis und Eifer spare»--Wiewohl du zürnst nicht mehr. Auch ich bin schon verstDer Himmel hat bereits dein keusches Haupt gekrönt.

Dein Volkmann liebet dich mit unverfälschtem Triebe,Und schmecket auch bey dir die Kraft der ersten Liebe- §

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