Buch 
Herrn Johann Christoph Gottscheds ... Gedichte / Johann Christoph Gottscheds / gesammlet und herausgeben von Johann Joachim Schwabe
Entstehung
Seite
506
JPEG-Download
 

5v6 Zehmes Schreiben.

So wird man lachend sehn, wie der SophistenZu seiner Zeit so stolz, als voll von Einfalt war:

Weil Mantel, Stab und Bart zu Philosophen machte",Und sonder Witz und Kunst beym Pöbel Ansetzn bracht

Man frage den Despreaux, der Feanzen PerstuS,Wie Dämon aus Paris aufs Dorf entfliehen muß:Weil Hof und Stadt und Volk der Musen edle Gab^Die er der Welt gezeigt, mit Schimpf vergolten habe"/Und ihn so schlecht belohnt, daß, als er durch ein LiedVon ihnen Abschied nahm, und in diej Wüste schied,

Er ganz und gar zerlumpt , vermagert von Gesichte, ^Und matt an Gliedern war.Mein Freund! dieß StraftTraf freylich wohl Paris: doch gleiche PhantaseyLegt Canih, Deutschlands Preis, auch unsern Sitten bey,„Wo, seit die Heucheley der Fürsten Ohr bestritten,„Die arme Tugend kaum im Vorsaal wird gelitte«:„Wo Weisheit betteln geht, der Thor in Kutschen„Weit stolzer, als sein Roß, das sie mit Koth besp^Wie dort Heraus schreibt. Doch was ist viel zu sag^'Du, Freund! verdienst den Kranz, den du davon gett"s

So ists, das herrliche, gelehrte Pleißathen,

Wo Kunst und Wissenschaft im ersten Paare steh«,Weis die Gelehrsamkeit von so getreuen Söhnen,

Die Phöbus selber liebt, nach Würdigkeit zu krönen-Du bist den Musen hold. Dein ungemeiner Fleiß,

Der stets beschafftigt ist, und nie zu ruhen weis,

Hat dich in ihrer Gunst so rühmlich angeschrieben,

Daß sie dich insgesammt, als chren Bruder, lieben.

Dein werthes Vaterland ist sehr dabey erfreut,

Und wartet hoffnungsvoll auflbie beglückte Zeit, §§

^e.

2tz.

^>c

Q

i