A22 Fünfzehntes Schreiben.
XV. Schreiben.
Als Herr Joh. August Ermß
1730. in Leipzig Magister wurde.
Tag ist glücklicher, als mancher glaubt und den^dem Minerva dir den Lehrertitel schenkt,Ernesti, werther Freund! dieweils ihr selten glücket,
Daß sie was würdigers, als deine Scheitel, schmücket.
Ich kenne dich nunmehr bereits ein ganzes Jahr,
Ich weis, wie wohl dein Geist schon vorbereitet war.
Ich jäh schon dazumal die ungemeinen SchätzeAn Regeln der Vernunft und kluger Weisheit Sätze,Samt Gaben der Natur, die Gott in dich gelegt,
Als er sein Ebenbild in deinen Geist geprägt.
Bisher nahm alles zu; die Einsicht in den Sachen,
Die Kunst und Fertigkeit den Vertrag recht zu mache»/Belesenheit und Witz, und dein gesetzter Muth,
Der mehr als männlich ist, und nichts gemeines thut.
Jtzt da du fähig bist, der Welt und Gott zu dienen,
Muß billig um dein Haupt der Pallas Krone grünen»
Auf! rüste denn dein Herz mit doppelt starkerEntdecke nun den Schaß der wahren Wissenschaft,
Den du gesammlet hast, so, wie es dem gebühret,
Der mehr den Titel schmückt, als ihn der Titel zieret«Wenn Fackeln ohne Licht, und Sterne sonder Schein,
Und Aehren ohne Frucht, und Trauben ohne Wein,
Und Dreister ohne Kunst, und Lehrer sonder Lehren,
Gleich Misgeburten sind, davon wir häufig hören: ^