M Vier und zwanzigstes Schreiben.
Mein Lob ist füe Geschenk und Gold nie feil gewesen,Und wer es dafür hofft, kriegt nie ein Blatt zu lesen.
Es kau zwar wohl geschehn, daß auch mein Urtheil fehst/Und diesen oder den zur Zahl der Weisen zählt, «Der solches nicht verdient: Weil oft der Anblick trüget,Wenn der verdeckte Schalk zu tief verborgen lieget.Mein, ich opfre doch die Wahrheit nicht dem Nutz,
Ich schmück ein thöricht Thun durch keinen falschen Putz'Mit Vorsatz lüg ich nicht; und hab ich je gelogen,
So hat der Schein mich selbst gewiß zuerst betrogen.
Bey dir geschah dieß nie, so lang ich dich gekannt.Der Thorheit warst du feind, und hast vor Lust gebraut/Der wahren Weisheit Kern und Innerstes zu schmecke"'Wer konnte dir so viel, als du gewünscht, entdecken?
Das ist der Wahrheit Art. Jemehr man sie erblickt,Um desto heftiger wird man von ihr entzückt.
Wie ein Verliebter sonst an seiner Schönen hänget,
Die durch der Anmuth Netz ihn immer besser sänget,Und endlich so bestrickt, daß Brust und Geist zuletztSich selbst an Amors Joch und Sclaverey ergeht:
So gieng es auch mit dir. Des grossen Leibnitz Lehre"Bewogen dich zuerst, sie fleißig anzuhören.
Jemehr du dieß gethan, jemehr empfand die BrustAn ihrer Gründlichkeit und Ueberzeugung Lust.
Wo bleibt dein edler Fleiß in Svadens Heiligthunie ?Denn nicht der kleinste Theil von deinem wahren Ruhn^War die Beredsamkeit. Es gab dir die NaturDen Geist und Mund dazu: Du folgtest ihrer Sput,Und giengst den Regeln nach, die niemand darf verlässt /Der uns Verstand und Herz am rechten Orte fasse"
Und überreden will. Der alten Griechen Bahn,Darauf ihr siegend Wort manch Wunderwerk gethan-^