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Herrn Johann Christoph Gottscheds ... Gedichte / Johann Christoph Gottscheds / gesammlet und herausgeben von Johann Joachim Schwabe
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558
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558 Sechs und zwanzigstes Schreiben-

Thalia mußte mich alsbald zum Schüler nehmen;

Ich fieng satirisch an, die Thorheit zu beschämen.

Ich deckte manches auf, das schön von aussen war,Und stellte manch Gesicht in seiner Bloße dar:

In Hoffnung, dergestalt, durch die entlarvten Flecken,Die gleißnerische Welt vom Bösen abzuschrecken.

Allein, es war umsonst, die Lauge biß zu scharf.

Es hieß r Wie geht es zu, daß der so lästern darf?

Wer hat ihm immermehr das Skrafamt aufgetragen?Und wer wird endlich was nach seinen Lehren fragen?So war mein Hoffen aus. Ich merkte, daß die WeltIn allem, was sie thut, nicht viel auf Regeln hält.

Und lieber blindlings tappt, als recht im Lichte gehet/

So nah ihr sichrer Fuß an tausend Fallen stehet.

Drum hab ich nach und nach Thalien abgeschafft.

Und weil mich Phöbus noch, mit »»geschwächter Kraft,Zur Dichtkunst angespornt: So hat mir unter allen,Die seine Schwestern sind, Melpomene gefallen.

Die hat mich, seit der Zeit, mit vielem Ernst gelehrt,Wie man der Tugend Werth in klugen Fabeln ehrt,

Der Alterthümer Nacht in hellen Tag verwandelt.

Und in dem Trauerspiel von Sittenlehren handelt;

Wie man die Weisheit malt, der Großmuth Stärke zeigt,Wenn ein gesetztes Herz kein harter Zufall beugt;

Wie hoch die Bosheit wächst, wenn ihr die Frevelthake"Erst wohl von statten gehn, und recht nach Wunsch gerächtUnd wie des Himmels Zorn mit sich nicht scherzen läßt,Wenn sein gereizter Arm zuletzt der Lasterpcst,

Mit siegender Gewalt im größten Wüthen wehret,

Und ihre Raserey auf ihre Scheiteln kehret.,. -

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