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Herrn Johann Christoph Gottscheds ... Gedichte / Johann Christoph Gottscheds / gesammlet und herausgeben von Johann Joachim Schwabe
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570
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57b Dreyßigsies Schreiben.

Du hättest jener Bahn der Alten nachgespürt,

Die Svadens eigne Hand zur Ehrenburg geführt.

Und würdest dir einmal der Männer Preis erwerben,Die, was den Ruhm betrifft, in Wahrheit niemals sterbe^Auch dieß hat dir, oFreund! Minervens Gunst erweckt»Sie liebt die Reden sehr, darinnen Weisheit steckt;

Drum scheinst du doppelt werth den Titel zu erlangen,Womit von Alters her der Weisheit Lehrer prangen.

Jedoch, belohnter Kelz! was sagt Buborgis nun?BudorgiS, welches droht uns in den Bann zu thun;Wenn wir am Pleiffenstrom, im Reden oder Dichten,Uns nicht nach jedem Ton der Odermusen richten.

Du weist ja mehr als wohl, was deine VaterstadtFür Eifersucht und Zorn auf unsre Linden hat.

Du weist, wie sehr sie zürnt, wenn unsre MeißnersiötenSich auch einmal erkühnt, mit Schlesiens PoetenDen Wettstreit einzugehn; wenn sich ein Grübler wagt,Den Lohenstein verwirft, den Königsdorf verklagt.

Wie kömmt es denn, o Freund! daß du dich nicht gesch^ ?Und nebst der Weisheit, dich der Redekunst geweihet,So, wie sie Leipzig liebt? das ißt den Trieb verdammt,Der ehmals auch allhier die Geister angestammt;

Und das, nachdem es mehr Natur und Wahrheit kennet,Geschwollner Reden Dunst nur Schaum und Blasen nen"^'

Mich hat kein Schlesien, kein Meißnerland gezeugt!Das ferne Preussenland hat meinen Mund gesaugt,Den Geist mit Unterricht und Wissenschaft verpfleget,Und mir zugleich die Lust zum Dichten eingepräget.Drum gilt mirs beydes gleich, ob diese Meißnerwelt,Ob jener Oderstrom die Oberhand behält.