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Herrn Johann Christoph Gottscheds ... Gedichte / Johann Christoph Gottscheds / gesammlet und herausgeben von Johann Joachim Schwabe
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594
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Viertes Lehrgedichte.

594

Die Aerzte Wissens wohl, was ihrem Handwerk fehlt,Allein die Schwäche wird mit Fleiß vor uns verhehlt:

Die Welt verlangt es so, sie läßt sich gern betrügen,Wohlan, (so denkt ein Arzt) drum glaube sie der Lügen!

Wiewohl dieß allzumal, was man von Stümpern spn^Trifft, werthgeschätzter Freund ! gelehrte Männer nicht.Ein kluger Arzt wird nie der Weisheit Gold verwerfen,Er sucht durch Wissenschaft sich den Verstand zu schärfen»Wer nur von Theriak und langen Würmern schreyt,Bedarf zu seiner Kunst nicht viel Gelehrsamkeit:

Doch wer die Heilungskraft der Körper sucht zu wissen,.Der kan wohl nimmermehr der Weisheit Lehren missen.

Du selber, Werthester! hast dieses längst erkannt,Drum hast du so viel Fleiß und Arbeit angewandt.Zuerst ein Philosoph, hernach ein Arzt zu werden.

Du forschtest die Natur des Himmels und der Erden,

Die Lehre von der Welt, die Geisterwissenschaft,

Der guten Sitten Art, und des Verstandes Kraft:

Und da du dieß verstehst, erlangest du die Kronen,

Womit Apollo pflegt die Weisheit zu belohnen.

Dein Phöbus giebt sie dir mit grosser Freudigkeit;

Er weis, daß du dich längst der Heilungskunst geweiht!

Er selber ist ein Arzt, er hak zuerst erfunden,

Wie man der Kräuter Saft, bey Kranken und Gesund^Zur Stärkung brauchen soll; drum lobt er dein BemüheUnd denkt dich ehestens noch mehr hervor zu ziehn.

Glück zu, Geehrtester! Dein Heilen soll gedeihen!

Und dein getreuer Freund wird sich dabey erfreuen.

H H H