624 Sechstes Lehrgedichte.
Du lebest ißt, o Freund? und thust es dennoch nicht.Was denkst du immevmehr? Ach drehe, wie man spricht/Denn jeder Kluge thuts, den Mantel nach dem Winde-Wie zürnet nicht bereits Demetrius Gesinde,
Daß sein Gewerbe fällt! Es stürmet auf dich zu.Bedenke doch dein Glück, bedenke deine Ruh!
Es kan dich mit der Zeit noch in der That gereuen;
So bald die Zunft nur wird: Groß ist Diana! schreytAllein ich sehe schon, du nimmst kein Warnen an,
Weil dein beherzter Muth so leicht nicht zittern kan.
Du schreibest gar ein Buch, und suchest einzuschärfen.Was allegorisch klingt, das müsse man verwerfen.
Das heißt zu viel gewagt. Freund! hast du auch bedach ?Wie arm dieß-linterstehu dich an Erfindung macht?Wie matt wirdrünftig nicht dein kaltes Thema klingen?Was nicht schemakifch ist, kan nicht ins Herze dringen.Denn man versteht es gleich, und hat die Freude nicht/Daß der gemeine Mann zu seinem Nachbar spricht:
Das ist was artiges! das ist schwer auszuführen!
Im Texte wenigstens ist nichts davon zu spüren.
Du guter Läye, du! was weist doch du davon? -Ein rechter Homilet versteht den Kunstgriff schon!
Wer wird sich so genau an Christi Worte binden ?
Man muß in jedem Text auch jedes Thema finden.
Denn wäre dieses nicht; wie wär es auszustehn,
Ein Evangelium ein schockmal durchzugchn;
Und dennoch allezeit die längst bekannten Sachen,
Durch einerley Verstand, beliebt und neu zu machen«
Ein hübscher Ueberguß macht saure Speisen süß,
Und Dank sey dem gesagt, der uns die Lehrart wies, .Was in dem Texte fehlt, durch Kunst hinein zu bringtUnd was nicht stiessen will, ein wenig zu erzwingen.