6oz Siebendes Lehrgedichte.
Doch wem ein ernstlich Lob, ohn Eigennutz, gefällt,
Der mache sich je ehr je lieber aus der Welt.
Alsdann erfüllt sein Ruhm den weiten Kreis der Erde«,Ja was er niemals war, das wird er dann erst werden.
Das war mein erster Theil. Zum zweyten merk ichNach meines Sprüchworts Sinn, den häßlichen Gebra^Des klugen Pöbels au, der, wenn man sich vermählet,Die Fehler, die man hat, wohl zehnmal überzählet.
Du seyst auch, wer du seyst, ein Junggesell, ein Man«?Ein Magdchen, oder Weib' so bist du übel dran,Dafern du freyen willst. Was du von Kindesbeine»Begangen oder nicht, wird hier entdeckt erscheinen.
Was du dein Lebenlang geredet und gedacht,
Das wird hervor gesucht, zur Lästerung gemacht,
Und wacker ausposaunt. Ja, was du nie verrichtet,
Ja, was du nie geträumt, wird doch von dir erdichtet.Bald schrecket man die Braut mit ihres Freyers Art;Erzählt, wie vielmal er sich wöchentlich den BartHerunter nehmen läßt? Wie oft er schon purgiret,Geschwitzt und Ader ließ, und wo das hergerühret?
Wie manches Mägdchen er bald hie, bald da geküßt?Was er bezahlet hat, und was er schuldig ist? .
Bald schildert man das Bild der Bräute bey den Freyet«'Die, heißt es, läßt sich stets das Angesicht erneuern;
Die hat so manchen schon durch ihren Kuß vergnügt;Die hat kein baares Geld, und nur ihr Staat betrügt»Die hat ein loses Maul, und sonsten böse Flüsse;
Ditz ist an Händen plump, und die hat krumme Füße.
So pflegt es denen auch, in ihrer Art, zu gehn, ,
Die sonst Verdienst und Glück zu Aemtern will erhoh«'^