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Neuckes Lehrgedichte.
Die hochberühmte Frau weis besser, als Galen,
Wie oft ein Kranker soll des Tags zu Stuhle gehn.
Sie half der Nachbarinn, die nur vor wenig Wochen,Wahrhaftig, es ist wahr! die Mutter weggekrochen.Haus Veiten klagt den Kopf; sie spricht, es ist die Milz:Der Mann erschrickt, und glaubt, und kratzt sich unterm Filz,Indessen daß die Frau für Stolz die Nase rümpfet.
O Freund! heißt dieses nicht die Medicin beschimpfet?Ich weis, du tadelst mich, und sprichst: Es folge nicht!Ganz recht; der Schluß ist falsch, und schändet mein Gedicht:Wohlan, drum will ich ißt den wahren Schimpf erwogen,Den eure Meister selbst der Kunst zu machen pflegen.
Ich weis, gelehrter Freund! du liebst die Wissenschaft,Du kennst des Menschen Geist, des Körpers Bau ».Kraft,Die Pracht des Erdenballs, des Himmels Wunderwerke,Und schliessest Lann daraus des Schöpfers Macht u. Stär^'Du siehst Natur und Welt mit andern Augen an,
Als mancher, der nichts denkt, als was er greifen kan;
Und findest mit Vernunft, in jedem Körnchen Sandes,Die- sonnenklare Spur des ewigen Verstandes.
Euclides, den du liebst, hat dich geschickt gemacht,
Die Schönheit dieser Welt, an Ordnung, Glanz und Pracht,Nach Maaß, Gewicht und Zahl zu prüfen, zu ergründen,Und täglich größre Lust in dem Bemühn zu finden.
Wer dich nur halbigt kennt, dem ist dieß schon bewußt:Wie kymmts denn immermehr, daß deine kluge BrustSich bloß die Heilungskunst zum Gegenstand erwählet,Der alle Gründlichkeit, ja fast die Wahrheit fehlet?
Was ist so ungewiß, als diese Wissenschaft?
Was sag ich Wissenschaft? Das klingt zu pralerhaft!
Was können Aerzte sonst, als rathen, glauben, träumen,Und trösten, bis man sieht den Tod im Halse schäumen -