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Herrn Johann Christoph Gottscheds ... Gedichte / Johann Christoph Gottscheds / gesammlet und herausgeben von Johann Joachim Schwabe
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Neuntes Lehrgedichte.

Wie schickt sich nun dazu ein Mathematicus,

Der alles, was er sagt, so klar erweisen muß,

Als dieß, daß zwey mal drey nicht mehr als sechse machen ?Wer wird nicht, sage mir, des guten Stephans lachen,

Der seinen todten Hund mit Hand und Fingern wies,

^ind solch ein Zeigen schon ein Demonstriren hieß?

Du lachest selbst, o Freund/ Allein, wenn die ChymistenSich stets mit Salz, Mercur und lauter Schwefel brüsten;Daraus, nach ihrem Wahn, ein jedes Ding besteht:

Wenn jene grosse Zunft sich offenbar vergeht,

Der Körper Wirkungen den Körpern abzustreiten,

*lnd der Arzneyen Kraft von Geistern herzuleiten;Gesundheit, Krankheit, Tod, ja Beine, Fleisch und Blut,Sammt allem, was der Bau des blossen Leibes thut,

Der denkenden Vernunft des Menschen zuzuschreiben:

Wie kan denn eure Kunst in wahrem Ansehn bleiben?Denn hier begreift man nichts; weil lauter Zaubereylind unverständlich Zeug die blinde Phantasey,

An Heller Wahrheit statt, mit Hirngespinsten äffet:

So daß ihr, wenn ihr ja das rechte Fleckchen treffet,

Kein grösser Lob verdient, als wenn ein tappend Kind,Spiel der blinden Kuh, den Spielgesellen sindt.

Hygea zürnt vielleicht auf meiner Musen Schelten:jedoch, wer kan dafür? Ich laß es die entgelten,

Die selbst der edlen Zunft ein Schimpf und Schandfleck sind.Denn, wer das mindste weis, der macht den meisten Wind,.Erzählet überall die Wunder seiner Euren,ch'd übertäubt die Welt mit Pulvern und Tincturen.

Du selbst, gelehrter Freund! kennst sie so gut, als ich;

Du weist, wie jener einst zur Patientinn schlich,

^nd nach der schnellen Puls, die wie ein Uhrwerk spielte,^icht an der schönen Hand, wo denn? am Herzen fühlte.

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