6i8 Neuntes Lehrgedichte.
Du weist, wie mancher oft mit seinem Stocke dreht;
Was meynt der Mann damit ? Es heißt: ihr Leute seht!SehtBand undStockknopf an,die Ermel sammt denSpihen!Seht meinen Demantring, die Ermelknöpfe blitzen!
Wie machtöAqvarius, der grosse Wassermann-Der durch ein Glas Urin unfehlbar wissen kan,
Wie groß und alt man ist, wie oft man krank gewesen,
Und was man lebenslang für Bücher durchgelesen.
Er sieht so ernsthaft aus, als wär es alles wahr,
Indessen glaubt es ihm der klugen Weiber Schaar:
Ob gleich des Kranken Magd das Glas, an seiner Stelle,.Von neuem angefüllt; nachdem sie auf der SchwelleDas erste fallen ließ. Erwege'das, mein Freund!
Und sage mir nunmehr, ob dirs nicht schimpflich scheint,Nach andrer Stümper Art, mit schwitzen und purgiren,Clystier und Aderschlag, uns hinkers Licht zu führen?
Umsonst! du fährest fort und endest deinen Lauf:
Ganz recht; der Misbrauch hebt doch den Gebrauch nicht aus«Man muß behutsam seyn, den Unterscheid zu machen,
Und alle Stümper zwar, doch nicht die Kunst, verlachen.
O freylich, werther Freund! denn wäre dieses nicht:
So schrieb ich dir itzund gewiß kein Lobgedicht;
Nachdem, ich sag es selbst, der edle DichterordenVon Stümpern mancher Art so oft entweihet worden.
Ja, Meditrine lacht die Handwerkspfuscher aus,
Die sich in Aesculaps geweihtes GdtterhausMit ungewaschner Hand und leerem Kopfe wagen,
Und nichts nach seinemRuhm,u.nichts nach Wahrheit frage"'Sie rühmt Apollons Wahl, der heute dich erhöht,
Weil dein bemühter Fuß auf deren Spuren geht,
Die Witz und Gründlichkeit und Wissenschaft geliebet,Bevor sie den Verstand in einer Kunst geübet,