278 Mi. Buch. Historie der ostindischen Handluugsgeselschasieu.
Das Genie und Gesinnung der Insulaner, so werden sie von den meisten Schriftstellern§ls die glücklichsten, uinganglichsten und gastsreiesten Leute, wie sie nur immer meinemLande gefunden werden mögen, vorgestellet. Wenn inan sie gefraget, ob sie nicht einVerlangen hatten, die Welt zu sehen, von der sie doch vieles gehöret haben mästen, undwie es ihnen möglich wäre, an einem Orte zu leben, der etwa sieben Meilen im Um-fange hatte, und von allen andern Menschen abgesondert wäre? so haben-sie gemeiniglichzur Antwort gegeben: Sie hätten alle Nothwendigkeiten des Lebens im Ueberstus; siewürden weder von einer unleidlichen Hitze noch unerträglichen Kälte gepeiniget, sonderngenössen einen recht glücklichen Mittelstand zwischen beiden; sie lebeten in volkommenekSicherheit, und wären in keiner Gefahr vor Feinden, Räubern, wilden Thieren, streMger Witterung und Getümmel des Ehrgeitzes, und genössen eine ununterbrochene Ruhe desGemüthsund Gesundheit des Leibes. Wären unter ihnen keine ausnehmend reiche Leute, stwären sie doch so glücklich, daß auch keine Armen unter ihnen seyen: sie würden aufder einenSeite nicht überwältiget, und aufder andern Seite wären sie von den menschlichen Fehlernfrey, die von der ungleichen Austheilung der Glücksgüther unzertrennlich wären. Sie hattenkeinen Eigenthümer einer Plantage unter sich, der über tausend Thaler reich wäre, und karBeinen, der nicht vierhundert im Vermögen hätte; folglich dürften sie nicht mehr arbeiten,als ihnen zur Gesundheit nöthig wäre. So glücklich war die Denkungsart dieses glück-lichen und ursprünglichen Volkes. Sie setzten hinzu, daß, wenn sie in ein anderes Landübergeführet werden sollen, ihr kleines Vermögen, dabey sie hier im Uebersius lebenLeuten, sie anderwerts kaum gegen den Mangel schützen würde, und dabey würden Aunzähligen Gefährlichkeiten, Hindernissen und Mühseligkeiten unterworfen seyn, davonsie hier weiter nichts wüsten, als was ihnen von ihren Landesleuten erzählet würde. Es isiauch wirklich nur Eine Unbequemlichkeit vorhanden, die ihre Lage beschwerlich machet/nemlich die Ueberwältigung ihres Gouverneurs, die sich zuweilen, wiewol selten, zuge-tragen Hat , und darüber man sich nicht wundern wus, wenn man bedenket, was si^Gelegenheit er dazu hat, und wenn man auf die natürliche Bosheit des menschlichesGemüthes siehet, welches durch Erniedrigung anderer grösser zu werden meinet,das seine Grösse nach der Niedrigkeit anderer, die um ihn her sind, abmisset. Da nulldie Einwohner von St. Helena keine Gelegenheit haben, ihre Beschwerden bey solcheanzubringen, die denselben abhelfen könten: so mus man erstaunen, daß sie von ihre»'despotischen Gouverneur nicht noch mehr unterdrücket rverden. Diests rnus vermuthAch eben den Ursachen zuschrieben werden, die so vielfältige Gelegenheit gegeben, tssGlückseligkeit seiner Untergebenen zu zerstören. Denn da er von der Gemeinschaftallen andern Menschen abgestellten ist, so wird ihm zu vielerley Ueberlegungen Anstgegeben, die ihn belehren, daß die Glückseligkeit der Grösse vorzuziehen sey, und daßerstere nur dadurch erlanget werden könne, wenn er die Gewogenheit derer besitzet, übswelche er regieret. So viel wir aus den vorigen Zeiten erfahren können, so sind sie ^nige Geschlechtsfolgen hinter einander von billigen und gütigen Männern regieret wosDen, und so iaNA sie diese Glückseligkeit genossen, so hat St. Helena als das Paradl^Der Welt angesehen werden können. Die Weibspersonen auf dieser Insel sind von cnem gewissen verleumderischen Schriftsteller gebrandmalet worden, der seinen boshast^Witz auf Unkosten der Aufrichtigkeit, Warheit und Liebe, zeigen, und ihnen eine Lüd^