5-Hauptst. 2. Abs. Von den Kriegen der Holländer in Ostindien. 351
Deutschland gebürtig. Dieser war seit fünf und dreißig Jahren in China gewesen,und hatte sich in der Gnade des Kaisers so vestgefetzet, daß er ihn zur Würde einesMandarin vorn ersten Range erhoben, und zum Oberhaupte aller Philosophen undMathematiker im Reiche gemachet hatte. Dieser Mann vereitelte durch sein grossesAnsehen und erlangte Einsicht alle Anschlage der -Holländer. Denn er stellete sie als«ute vor, die keinen Fus breit Land und Eigenthum in Europa hätten, die blos vonder Seeräuberey lebten, und die durch Verrätherey und Grausamkeit ein grosses Reich^ Indien angerichtet, und zwar auf Kosten der gebornen Indianer, sonderlich abersolcher Fürsten, die, nachdem sie sich von ihnen durch glatte Worte hintergehen lassen,Hnen einen Zutrit zu ihren Staaten verstattet, und ihnen dadurch Gelegenheit gegeben,sie samt ihren llnterthanen in Verlegenheit zu sehen. Nachdem nun den ChmeseM,die von Natur argwöhnisch sind, dergleichen war in die Köpfe gesehet worden , so leg-ten sie den holländischen Abgesandten solche Fragen vor, daraus sie am besten urtheilentonten, ob es wahr sey, was von ihnen gesaget worden. Auf die Frage, wie weit derSitz ihrer Regierung von China läge? antworteten sie: gegen fünftausend Meilen.Als sie wegen der Stärke und Macht ihrer Colonie zu Batavia gefraget wurden, sogaben sie eine Antwort, die an sich selbst richtig war, und die ihnen Hochachtung verschaf-fn konte. Allein, das waren gerade solche Dinge, die zu ihrem Nachtheil gedeutetwurden, weil sie mit dem genau übereintrafen, was der Vater Schaal von ihnen ge-saget hatte. Daher gegen das Ende des i ödsten Jahres die Abgesandten China der-bsten , ohne in der ihnen aufgetragenen Commißion was ausgerichtet zu haben. Sosiark war die Vorstellung der Lhmeser von der ihnen bevorstehenden Gefahr, fals dieseAusländer in den Häfen ihres Reiches zur Handelschaft zugelassen würden l) 8).
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f) Baenage Armsles äes kwvi'nces tl»ies, vnk. k. p. 450. 45k.
.. H) Man findet einen ganz ausführlichen Bervon dieser Gesandtschaft in Herrn Theve-^ts Samlnng, aus welcher sie übersehet und^llchicdenen andern Büchern in mehrerley Spra-einverleibet worden, sonderlich wegen derugen Beobachtungen die von den Abgesandteno! ihrer Reise angestellet worden; welche zu derda sie bekam gemachet wurden, nicht anderss kugenehi» seyn konten, weil damals von die-hy grossen Reiche kaum erträgliche Begriffe vor-waren. In dem Beschlus ihres Berichtshj wir zweierlei) Merkwürdigkeiten- Erstlichausführlich gemeldet, wie viele Unkosten»,js ganze Reise (mit welcher sie von ihrer Ab-eig an bis zu ihrer Rückkunft daselbst
grz^hr, sieben Monat und vierzehen Tage zu-öntta - baden,) gegangen, nemlich beinahe hun-tztex,stbNd Florenen, oder zchentausend Pfund' welches in Erwsgung der daraus ent-gilt^ Beschwerde ein starker Erweis von derNc^'^haltung der Compagnie ist. Die an-««Würdigkeit bestehet in dem Briefe, den
der chinesische Kaiser an den Generalgouverneüvvon Batavi« geschrieben, der in einer ganzkaltsinnigcn Höflichkeit abgesaget ist, unter wel-cher eine Art der Spötterei) versteckt zu seyn schei-net. Er meldet ihnen, daß, da ihr Land vondem seinigen so entsetzlich weit entfernet sey, erihnen sehr dafür verbunden seyn müsse, daß sie'sich um ihn bekümmert und ihm Geschenke zuge-schicket, wofür er ihnen zur Erkentlichkeit wiedereinige Geschenke zurück schicke. Da sie aber soweit von einander entfernet wären, so sähe erkeine Gelegenheit, wie zwischen ihnen eine ge-naue Handlungsgemeinschaft aufgerichtet werdenkönne t indes wolle er ihnen den Handel in seine-Staaten nicht gänzlich abschlagen, jedoch unterder Bedingung , daß sie in acht Jahren nur ein-mal kämen, und daß ihr Schifsvolk sich nichtüber hundert Mann belaufe. Nichtsdestoweni-ger wurde ein kleines Schis in den Hafen zuLanton geschickt, um zu versuchen, ob etwa eiwPrivathandel verstattet werden möchte; da aber'dieser Versirch nicht besser ablief, als die ganze
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