Band 
Sechs und zwanzigster Theil.
Seite
405
JPEG-Download
 

5. Hauptsi. i.Abs. Von den Kriegen der Holländer in Ostindien. 425

"ber Stadt, das beständig fortdauerte, blosgestellet waren: so musten sie endlich davon, abstehen. Die Holländer thaten hierauf einen 'Ausfall mir hundert und sechzig Mann,,'u>n den äussersten Postirnngen zu Hülfe zu kommen, und obste wol diese HandvollLeute für verloren halten musten, so durften sie doch nicht mehr dazu beordern, weilsie nicht wüsten, was sich in der Stadt zutragen möchte. So waren die Operationen"i» der unglücklichen Nacht beschaffen, welche die Chrneser zu einer algemeinm Maffa-"cre bestimmet hatten, woran sie aber durch die Wachsamkeit und Tapferkeit derj Ein«"wohner gehindert wurden. Mit Anbruch des Tages verliessen die Lhrnescr die Vor-"statte, worauf der versamlete Staatsrath einen Befeist gab, daß alle in der Stadt'befindliche Lhrnestr, nur Weiber und Kinder ausgenommen, mit dem Schwerste^niedergehauen werden sollen, welches man für das einzige Mittel ansähe, die öffentli«,'che Sicherheit wieder herzustellen. Auf diesen Befehl wurden ihre Häuser erbrochen,die Männer ohne Unterschied niedergehauen, die Weiber und Kinder aber in das chi-nesische Hospital gebracht. In kurzer Zeit waren die Strassen, Canäle und Flüsse, mit Leichnamen angefüllet, und an verschiedene!: Orten ging man bis über die Schuhe„im Blute, und es zeigete sich nach allen Absichten der erschrecklichste Anblick. Hie-rauf fand man für nöthig, auf der andern Seite der Rocmalake eine Batterie auf-zurichten, um von derselben das Haus des chinesischen Capitains zu beschießen, in' welchem auf achthundert Mann beistimmen waren. Als nun eine hinlängliche Oefnung''war gemacht worden, so griffen sie dasselbe an und eroberten es mit stürmender Hand;"va denn gegen dreissig Weiber herausgelaufen kamen, als man ihnen versprochen'^statte, ihres Lebens zu schonen; und unter denselben war der chinesische Capitam, der,'Wcibeskleider angezogen hatte, den man aber best machte und ins Citadel schickte.Hegen Mittag kamen die Räthe Imhof und van Aerdens wieder in der Stadt mitden ihnen untergebenen DetaschementS an. Das Volk steng an, sich von seiner Be-„stürzung etwas zu erholen, und sich mit der Hofnung zu trösten, daß nun die Gefahr^vorüber sey. Allein die Chmeser, die nun ganz zur Verzweiflung getrieben worden,.'verrammelten ihre Häuser und steckten sie in Brand, so, daß um zwey Uhr es an,'vielen Orten in der Stadt brante, wodurch der gröste Theil der Stadt, sonderlich, aber das chinesische Quartier, welches das volkreichste war, in die Asche geleget wurde.,Cs ist unmöglich zu beschreiben, was dieses für eine Bestürzung verursachet, da eine,Menge Weiber zum Citadel ihre Zuflucht namen, die Männer aber, deren Stand-,Lästigkeit durch die Glut des Feuers war überwunden worden, auf den Strassen he-->,rum hinketen oder krochen, wo sie von den Soldaten erschossen, oder in Stücken ge,hauen wurden; undmnt diesem blutigen Auftrit und mit der Hinrichtung von sechshun-dertund fünf und dreissig Gefangenen, die im Citadel waren, endigten sich die Schrecken„diests TageS. Binnen dieser ganzen Zeit wurden die Reichthümer dieser Leute, die-Unerrneslich waren, denen preisgegeben, die nur zugreifen wollen, und es waren ei-nige, sonderlich unter den Matrosen, die neun bis zehentausend Kronen zu ihrem An--ssheil bekamen. Unter wahrendem diesem Trauerspiel büffeten, nach dem GeständnisMr Holländer, zwölf tausend Lhmestr von allerhand Stand und Alter das Leben>ä'U/ dahingegen die Holländer nicht viel über hundert Mann verloren. Die ChitinMr bekamen selbst, (wenigstens hat man es vorgegeben,) daß sie ihren Capitain zumGouverneur der Stadt machen wollen, und daß der holländische Gouverneur und Ge-

Eee z "neral-