r.Hauptst. z.Abs. Von den Colonien der Holländer in Indien. 421
genhelt zu vielen harten Beurtheilungen gegeben werden, nicht nur von Seiten derer, dieUnter dem Gewicht ihrer Macht seufzeten, oder ihr fortdaurcndes Glück beneideten; son-dern auch von Seiten der aufrichtigen und unparteiischen Patrioten, welche die Sa-che so ansahen, wie sie dem Interesse ihres Vaterlandes zuträglich oder nachteilig wa-ren R). Dem allen aber ungeachtet, lind ob wol vieles in ihren. Verhakten sich mitden strengen Regeln der Gerechtigkeit und Billigkeit nicht vergleichen lässet; (denn wosindet man ein grosses Glück, das bey genauer Beobachtung dieser Regeln und Maximen auf--gewachsen? Zu was für einer Zeit und in welchem Lande findet man Staatsmänner, dieohne Laster, und Helden, die ohne Verbrechen gewesen? Ist auch Rom, ist auch Lar-Hags, ja ist auch Sparta ohne Tadel und Vorwürfe gros und berühmt geworden?)
allen ungeachtet, und was auch sonst nur der holländischen Compagnie mit Recht oderAnrecht aufgebürdet worden, als ob Ehrgeitz, Tiranney und Ueberwältigung grossen Antheiloaran gehabt, mus man bekennen, daß sie weder in der alten noch neuen Historie ihresZeichen habe. Ihr Ruhm ist so sonderbar, als ihr Einstus weit ausgebreitet ist; undUlan findet blos.in den Nachrichten von ihrem Ursprung und Fortgang eine Reihe sol-cher weisen Rathgeber zu Hause und solcher tapfern und ruhmwürdigen Capitaine vonaussen, welche nicht ohne Regungen der Ehrerbietung niedergeschrieben, oder ohne Er-staunen gelesen werden kan y). Dieses alles kan aus den vorgefallenen BegebenheitenZusammen getragen werden, wenn man die Bemühungen dieser Compagnie von ihrerKindheit an bis auf die gegenwärtige Zeit vor sich nimt, und erweget, was sie für Hin-dernisse überwunden, und was sie für Eroberungen gemachet. Will man aber einenrecht deutlichen Begrif von dem haben, was diese Compagnie wirklich vorstellet; will*ban sich ein wahres Bild von ihrer Macht und Herrschaft machen, und wissen, was
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y) Neuhof, wicqueforr, Neuville, L-rsimge, Le Llerc, lI-rmxoik, Richard re.
° Was oben im Text angeführet worden,den Leser überführen, daß der Zustand derständischen vstindischen Compagnie hier auftich->3 vorgestellet worden, und kan zugleich dienen,?^sie Stellen mit einander zu vergleichen, die"u erwas widersinnisch lauten. Wir mästen^ nicht an, den Streit zwischen diesen grossen'Innern zu entscheiden, die dafür halten, daß^onimereiiim mit den Indianern zu groß"N Vortheil der Unterthanen der Generalstaa-tzi'* kiiigerjchret werden können, wenn es nicht inHände einer Compagnie mit Ausschliessung amtzsft übergeben worden; ob wir wol zuweilen^genheit nehmen, ihre Meinung zu bestäti-^zuweilen aber anch dessen gedenken, waska»s ^^cheil der Compagnie angssühret werdenEs sey nun aber mit diesem Streite wiedas ist, die Wahrheit mag seyn aufSeite sie will, so hat die Ausbreitung derhx^Snir svwvl in Ansehung des Commercii als-"acht was ausserordentliches, ja was erstaun-
liches an sich. Ob wir nun gleich dieses zugebenuud erweisen, so leugnen wir doch keinesweges,daß dieses Commercium öfters zum Nachtheil ih-rer Nachbarn ausgebreitet und diese Macht zu.ih-rem Schaden grübet worden. Wir haben auchunsere Gedanken davon nicht zurück gehalten, wouns die Ordnung unserer Historie M Eröfnungderselben verpflichtet i;). Es ist ein grosser Un-terschied zwischen Bewunderung und Schmeiche-let) , und wir können mit einem gewissen Erstau-nen betrachten, wie diese Compagnie ganz unver-merkt eine solche Höhe erstiegen, daß sie die ein-zige Ausnahme von der algemeincn Regel gema-chet, daß der Flus nicht höher steigen könne alsseine Quelle, dahingegen die obersten Regiererdieser Compagnie, die in Europa nur Untertha-nen sind und die Befehle der Generalffantenmit Unterthänigkeit annehmen, in Indien eineunumschränkte Souveraimtat ausüben, und ver-schiedene ansehnliche Fürsten unter sich haben, dieihnen zinsbar und ihre Vasallen sind.
'!) Man lese was von ihren Streitigkeiten mit den Portugiesen, Engländern lind Holländernangeführet worden.