Band 
Sechs und zwanzigster Theil.
Seite
459
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5. Hauptst. z. Abs. Von den Colomen der Holländer in Indien. 459

H. 26z.

Lrangätt-r lieget eme Meile oberhalb-es Flusses vom Meer, und die -Asl-Nachricht vo„länder haben daselbst ein Fort. Dieser Ort ist deswegen merkwürdig, weil in den vo- ^

^>Zen Zeiten hier eine jüdische Regierung gewesen, indem diese Nation ehedem hier so Cranganor.Zahlreich gewesen, daß ste über achtzigtausend Familien gezählet, ob ihrer wol jetzo mehrwcht als viertausend seyn mögen. Sie haben eine Synagoge zu Lsrrchui, nicht weit vondem Palast des Königs, ohngefehr zwo Meilen von der Stadt, in welcher ihre Docu-'Nente, die aufKupfcrtafeln in hebräischen Buchstaben eingegraben sind, sorgfältig ver,wahret werden; und wenn einer von diesen Buchstaben unleserlich wird, so wird er neuaufgegraben, so daß sie ihre Historie vom Nebucadnezar an bis auf die gegenwärtigeZeit vorlegen können t). Herr van Reede bekam im Jahr 1695 einen Auszug von ihrerHistorie, die aus dem Hebräischen inS Holländische war übersetzet worden. Sie geben vor,daß sie zum Stamm Nlanasie- gehbreten, davon ein Theil vom Nvbucadnezar in dieäussersten Grenzen seines grossen Reiches verflossen worden, welches sich, wie es scheinet,bis an das Capo Lsmorm ausgebreitet; welche Reise zwanzigrausend von ihnen, von ih-rem Aufbruch aus Babylon an zu rechnen, in drey Jahre,! zurückgeleget. Als sie im landeiNalabar angekommen, fanden sie, daß sich die Einwohner sehr höflich und gastfrei, gegendie Fremden bewiesen: sie verstatteten ihnen ihre Religionsfreiheit und den freien Gebrauchihrer Fähigkeiten und Geschicklichkciten in der Handlung. Daselbst vermehrte sich ihreAnzahl und Reichthum, bis ste endlich entweder durch List oder durch ihren Reichthum,oder auch durch beides zugleich, sich des kleinen Königreichs Lranganor bemächtiget:und da eine Familie unter ihnen, wegen ihrer Weisheit, Macht und Reichthum, in be-sonderer Achtung war, so wurden zween Söhne von dieser Familie zu ihren Rachsher,'wn gewahlet, um das gemeine Wesen zu ordnen und gemeinschaftlich zu regieren. Eswurde aber die Eintrachtigkeit, das vesteste Band der Gefclschaft, in kurzer Zeit getren-nt, und der Ehrgeitz trat an deren Stelle. Denn es lud der eine Bruder den andernöu einem Gastgebot ein, fing mit seinem Gaste einen Zank an, und tödtete ihn, inMeinung, daß er nun allein würde regieren können. Da aber der Entleibete einenAhn, von unternehmender Gemüthsart, hinterlies, so rachete er den Tod seinesKaters und brachte den Brudermörder um; und so gerieth der Staat in eine Demo-^tie, in welcher er sich auch noch befindet Q). Die ländereien aber sind seit geraumer

Mmm r Zeit

t) viKionsire äs Lomweree tsnr.L. P 784-

In der Reisebeschreibunq, die unter demkow " Benjamin von Tuvela bekant ist,.,wwcn einige Stellen vor, von welchen manteiek ' ^6 sie ihre Beziehung auf dieses König-Eranganor haben. Es ist aber dieseritzyx ^steller so dunkel und seine Erzählung so ver-ns/wn, daß, wenn auch sein Credit grösser wäre,bx ^ wirklich ist, es dennoch schwer fallen wür-TÜ ybie Meinung zu errathen 67). AndereMc- Ecr von dieser Nation, die aber weitt'üelebet, haben von diesem Lande deutlicher ge-

Benjamin Tudelensis Icinerar. ly.lock LiWL Itrasl.

redet; sie habe« aber auch ihre Berichte mit solchenverbindnngslosen und unglaublichen Fabeln aus-gestopfet, daß wir, so lange wir keine andere Be-weise haben, uns kaum bcikommen lassen dürfen,daß darin was wahres enthalten sey. Denn stattEines Königreichs machen sie viele, und diese sehrvolkreich und mächtig, und dieses noch dazu zu ei-ner solchen Zeit, da in der That dasselbe König-reich , davon sie reden, sehr gesunken und verfal-len war 68). Der berühmte ReisebeschreiberMarco Polo gedenket derselben in seinen Schrif-ten;

6») R. Gersön Ben Eliescr 8-xller Oell-