Vorrede D. Baumgartens. Z5
Pten. Indem theils der Einfluß derselben bey allen gesitteten Völkern, in Absichtsowol der sämtlichen verschiedenen Arten des gemeinen und gelerten Nutzens, als auchder übrigen, selbst aller jetzigen, sonderlich abendländischen Völker eigenen Geschichte;theils die Anzal aufgezeichneter merkwürdigen Begebenheiten und guter Gedichtbü-cher in denselben, offenbar weit grösser ist, als daß solches alles in den neuern Geschich-ten irgend eines andern Volks und Landes dergestalt beisammen seyn solle (z6).Indessen sind die Bemühungen neuerer Geschichtschreiber unleugbar rümlicher, nütz-licher und notwendiger, die sich theils unbeschriebene Geschichte aufzuzeichnen, theilsdunkele, verworrene und mangelhafte Stücke der nähern Geschichte , sonderlich ausunbekant und ungebraucht gebliebenen Quellen, aufzusuchen, zu ergänzen und in Ord-nung zu bringen befleißigen; folglich unbebauete Felder und Gegenden in den Ge-schichten anbauen und derselben Grenzen wirklich erweitern. Weil daraus nicht umursprüngliche Geschichtbücher werden, deren alle Zeiten benötiget sind; sondern auchdabey mehr Entdeckungen gemacht werden können, zur Erleichterung des Fleisses an-derer in Erlernung solcher Geschichte, ja zum gesamten vorcheilhaften Gebrauch der-
selben.
Bey der andern Frage ist gleiche Einschränkung nötig. Leuten, die blos zumZeitvertreib und Vergnügen Geschichte lesen, oder in Absicht besonderer Theile derGelersamkeit sich nur um gewisse Arten der Geschichte bekümmern, ist dergleichen Ord-nung und Zusammenhang nicht nötig, die zur eigentlichen Erlernung der Geschichteunumgänglich erfordert wird: obgleich unstreitig alle übrige Beschäftigung mit Ge-schichten weit besser von statten gehet, wenn ein weiterer Umfang derselben zu Hülfegenommen und die eigentliche Völkergeschichte oder Siftorie gemeiner Wesen zumGrunde gelegt, bey derselben aber die Verschiedenheit und Verbindung der Zeilen undOrte beobachtet wird. Woraus sich denn von selbst ergiebet, daß die Gescyichtkun-
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(36) Bey manchen Vorfakkenheiten kan jeman-den die Historie seines Geschlechts und Hauses,wenn gleich Leine landeöherschastliche Vorfarendazu gehören, nützlicher und unentberlicher seyn,als irgend einige Völkergeschichte. Leuten, dieöffentliche Angelegenheiten gemeiner Wesen zubesorgen haben, sind derselben und ihrer Nach-barn Geschichte notwendiger, als die römischeHistorie. Dieftr Nutzen aber ist unstreitig aufweit weniger Menschen eingeschränkt, als derNutzen der Geschichte gedachter alten Völker,ohne welche weder die heilige Schrift, noch diebesten Bücher des Altertums verstanden und ge-braucht werden können: ja deren die Geschichteneuerer Völker nicht entraten kan, indem sich diealte Historie wol ohne Beihülfe der neuern, die-se aber nicht ohne jene erlernen läst. Es ist alsoreine »«gegründete Parteilichkeit oder verächt-
che Geringschätzung unseres Vaterlandes, under vormaligen Einwoner desselben, daß die Ju-end zuerst zur Erlernung der Geschichte der allen morgenlänvischen Völker, Griechen undDörner, angefüret, und zur Lesung der Ge-chichtbücher derselben angehalten wird, um da->urch selbst zu einem guten Geschmack und'ichtigen Urtheil von Geschichten gebracht zuverden. Unsern ältesten Vorfaren hatS nicht'owol an grossen Thaten, merkwürdigen Be-gebenheiten und rüinlichen Menschen gefeit, beyallem Mangel äusserer Bequemlichkeit zur leich-tern Bildung grosser Leute: als vielmehr anGeschichtschreibern und Ueberlieferungen guterNachrichten von denselben aufdie Nachkommen;daher wir unsere Kentnis davon aus fremden,entfernten und ziemlich verdächtigen Quellenschöpfen müssen.