zä Vorrede D. BmrmM'tens.
de nicht nur Lehrbücher der algemeinen Historie benötiget sey, sondern auch allenützliche Erlernung und Tmbung der Geschichte dergleichen kürzern Umfang, Jnbe-grif und Zusammenhang der algemeinen Historie voraussetze und erfordere, ja ei-gentlich in Erweiterung der Kentm's besonderer Theile derselben bestehe, die mit ihremGanzen zusammenhängen r wo man nicht das Gedächtnis blos mit einigen Begeben-heiten anfüllen wil / so ohne Geschichte und Geschichtkunde geschehen kan.
Was nun endlich die Scheingründe betrift, die zur Geringschätzung der Geschichtegebraucht werden: so läst sich die erweisliche Unerheblichkeit und Unrichtigkeit derselbenaus dem bisher abgehandelten kürzlich und leicht darthun.
- Das Vorgeben, die Historie sey keine eigentliche Gelersamkeit- ja die histori-sche Erkentms die allermedrigste und schlechteste Art menschlicher Erkentms, und hin-dere nicht nur bey einzeln Menschen, sondern auch in menschlichen Geselschaften, dieTmbung eigentlicher Wissenschaften; wodurch sich heut zu Tags viele abhalten lassen,ihren scharfsinnigen Kopf/ den sie besser gebrauchen zu können vermeinen, bis zurHistorie nicht zu erniedrigen, und beinahe zu misbrauchen: beruhet auf mancherleyverwornen Vorurtheilen, und widerspricht der unleugbaren Erfarung.
Einmal wird offenbar die historische Erkentms der wesentlichen Stückender Wissenschaften, mit der Erkentms und Einsicht der Geschichte, verwechselt; diesowol scharfsinnig seyn kan, als die Vorstellung algememer Warheiten. Die jedesma-lige Prüfung der eigentlichen Gründe und verschiedenen Stuften der Warscheinlichkeitund Gewisheit in Geschichten, die Entdeckung des Zusammenhangs mehrerer Bege-benheiten und ihres Einflusses in einander, die richtige Beurtheilung und Anwendungderselben, erfordern, beschäftigen und schärfen das menschliche Nachdenken gewis sosehr, als irgend eine andere Wissenschaft. Die Vergleichungen, so plutarchusseinen Lebensbeschreibungen beigefügt, zeigen gar deutlich, was vor philosophischeund mathematische Erkentms in Geschichten stat finde; die sich doch noch vielweiter erstreckt, als aus demselben Beispiel zu ersehen ist.
Hiernachst wird die Gelersamkeit sehr unrichtig und viel zu enge eingeschränkt,wenn dadurch entweder nur eigentliche Wissenschaften, oder eine solche Art der Er-kentnis verstanden wird, die eine beständige und alleinige Beschäftigung des ganzenLebens, wo nicht gar eine Unwisienheit anderer nützlichen Dinge erfordere. Bestehtdieselbe in einer Fertigkeit der gründlichen Einsicht eines zusammenhangenden Umfangsvon nützlichen Warheiten: so wird die Historie davon nicht können ausgeschlossenwerden; ob sie gleich auf zunftmäßige Gelerte nicht eingeschränkt bleibet, vielmehrdas eigentliche Band der geletten und ungelerten Welt ausmacht, deren keine der an-dern entraten kan.
Ucberdis siads unerweisliche Vorurtheile, die sowol aus der menschlichen Be-schaffenheit als häufigen Erfarung wiederlegt werden können, theils daß das blosse Ge-dächtnis bey Geschichten gebraucht werde; theils, daß ein gros und geübt Gedächtnismit einem scharfen Verstände und einer grossen Vernunft nicht bestehen könne; theils
daß