Vorrede D. Baumgartens. 37
-aß her Geschmack an Geschichten und Wissenschaften einander aufheben undberdren«gen müssen. Der häufigen Beispiele des Altertums nicht zu gedenken , so beweisenselbst, in Absicht der Gekörten, Bacon, Garpi, Grorius, Gasimdus, puf-fendorf, Leibnitz und Newton, das Gegentheil zur Gnüge, deren Geschmackund Fähigkeit in beiden unwiedersprechllch ist. Und es wäre unstreitig beiden sehr zuwünschen gewesen, daß es jederzeit weniger der Wissenschaften und anderer Geler-samkeit ganz unkundige Geschichtschreiber, und weniger Unwissenheit der Geschichtebey Treibung der Wissenschaften gegeben.
Endlicl), hat ausser den obenangefürten Gründen des Nutzens der übrigenGelersamkeit aus den Geschichten, die Erfarung voriger Zeiten zur Gnüge erwiesen,daß der herschende Geschmack und Fleis der Geschichte den Wissenschaften und ge-samten Gelersamkeit nicht nachtheilig, vielmehrsehr förderlich und zuträglich gewesen:hingegen jener Verachtung, Nachlässigkeit und Unwissenheit, den Wachstum diesersehr gehindert, ja öfters ihren Versal verursachet. Die Finsternis und Barbareyder mitlern Jahrhunderte nach Christi Geburt hat nicht sowol in einem Mangelscharfsinniger Gelersamkeit und Wissenschaft bestanden, die man aufs spitzigste zuschärfen gesucht, als vielmehr in einer Beiseitsetzung der Sprachen und Geschichte,die vor nichtswürdige Beschäftigungen gehalten worden; bey deren erneuerten Fleisund Wiederherstellung aber alle übrige Theile der Gelersamkeit gar bald ein anderAnsehen gewonnen. Welches das Schicksal der Gelersamkeit unter den Arabernund Lhinesem ebenfals bestätiget, alwo dieselbe theils dauerhafter und ausgebrei-teter würde gewesen, theils viel höher gestiegen seyn, wenn es nicht der Mangel, fon,derlich auswertiger Geschichte, gehindert hätte.
Der zweite Eimvurf besteht in einer Klage über die äusserste Ungewisheit derGeschichte, ja fast durchgängige Unerweislichkeit derselben: so gemeiniglich mit ange-furren Beispielen des Widerspruchs verGeschichtbücher, auch der verschiedenen Mei-nungen der Zeirrecbner, bestätiget zu werden pflegt; zuweilen aber auch mit algemei-^Bestreuung der Zuverläßrgkeit des menschlichen Glaubens, in Dingen, die manwissen, oder aus algemeinen Begriffen und unumstöslichen Grundsätzen durchrmen scharfsinnigen Beweis darthun kan.
bis letzte Verfaren zuviel beweiset, und nicht nur die AuverläßigkeiLver Vescylchte, sondern auch der meisten Gelersämkeit und Wissenschaften, ja derMilchen ^.uenbarung und ihrer richtigen Auslegung selbst bestreitet, und von alge«melner Zwelseyucht nicht weit entfernet ist; wenigstens die hinlängliche Zuverläßigkeituer BestlMtMNgsgrunde fast aller menschlichen Handlungen, darauf das Leben undgesamte Wohlsart der Menschen ankörnt, aufhebet: so wird auch unstreitig das'vorgeben vom Wiederspruch der Geschichtschreiber übertrieben. Wenn die wieder-rprechende Lehrbegriffe und verschiedene Meinungen über einzele Sätze derselben eineorwendige Ungewisheit und Unerwersllchkeit verursachten: so würde es gewis umven grosten Theil der Gelersamkeit und Wissenschaften, wo nicht um alle Gewisheit
mensch-